Werbetreibende sind heiß auf Fieberdaten

Der Herbst ist da und mit ihm Schnupfen, Fieber – und die Daten zu diesen Krankheiten.Was für ein Glück ist es da, dass manche smarten Geräte einen Beitrag zu unserer aller Gesundheit leisten, indem sie ihre Nutzerdaten für gezielte Werbeanzeigen zur Verfügung stellen.

Kinsa macht genau das. Die intelligenten Fieberthermometer des Unternehmens können nämlich nicht nur die Körpertemperatur von kranken Kindern messen. Sie erfassen die gemessene Temperatur samt Zeitpunkt und ermöglichen es Eltern, über die zugehörige App den Krankheitsverlauf sowie die Medikamentengabe zu dokumentieren. Mehr als eine halbe Million US-amerikanische Haushalte sollen ein solches smartes Thermometer besitzen.

Die auf diese Weise erhobenen Daten bereinigt das Unternehmen um personenbezogene Daten und verkauft sie anschließend. Informationen darüber, in welchen Postleitzahlbereichen Kinder verstärkt an Fieber erkrankt sind, haben großen wirtschaftlichen Wert. Überlegen Sie einmal, was noch passiert, wenn Kinder Fieber haben: Vermutlich steigt der Verbrauch an Taschentüchern, Hühnerbrühe und… Desinfektionstüchern.

Datenbereinigung für Clorox

Clorox hat genau diese Informationen von Kinsa erworben und sie für die gezielte Vermarktung seiner Desinfektionstücher genutzt. Mit Erfolg. Wie die NYTimes berichtet, konnte das Unternehmen die Kundeninteraktion in der letzten Grippesaison mithilfe der Anzeigen um 22 Prozent steigern. Natürlich profitieren wir gesundheitlich auch irgendwie von diesem Datenhandel. Tatsächlich empfiehlt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control, die Oberflächen im Haushalt während einer Grippewelle zu desinfizieren. Insofern passt der Verkauf der Daten zu Kinsas Mission, „die Ausbreitung von Krankheiten zu tracken und schließlich zu verhindern“.

Bessere Daten als Google

Kinsas Ansatz ist der nächste logische Schritt, nachdem Google Trends bereits Suchanfragen zum Thema Grippe getrackt und ausgewertet hat. Mit dieser Methode konnte Google allgemeine Gesundheitstrends deutlich schneller identifizieren als traditionelle Techniken. Mit dem Aufzeichnen tatsächlicher Krankheitsfälle und der werbefreundlichen Aufbereitung dieser Daten ist Kinsa noch einen Schritt weiter gegangen.

Zu hip für HIPAA

In puncto Datenschutz gelingt es Kinsa wahrscheinlich deutlich besser als dem durchschnittlichen Smart Device, Nutzerdaten zu anonymisieren. Und dafür gibt es einen Grund. Ein Leck oder Missbrauch von Nutzerdaten bei Kinsa ist ein viel größeres Problem als bei einer Ihrer Fitnessapps. Die Produkte des Unternehmens fallen wahrscheinlich unter den US-amerikanischen Health Insurance Portability and Accountability Act (besser bekannt als HIPAA), der für die Verarbeitung und Nutzung von Patientendaten schärfere Kontrollen vorsieht.

Hier könnte Kinsa jedoch schnell auf einem Pulverfass sitzen, wie Andrei Petrus, Leiter der IoT-Labs bei Avira, erklärt. „Selbst wenn diese Verordnung wirksam wird, so wie medizinische Geräte erst von der FDA genehmigt werden müssen, ist es schwierig, die komplette Datenschutzkette von der Erhebung über die Übertragung bis zur Speicherung zu kontrollieren.“

Heißer Trend

Ob es Ihnen gefällt oder nicht, Kinsas Vorgehensweise zeigt die Zukunft von gezielten Werbeanzeigen. Das Unternehmen bietet ein smartes Produkt mit nützlichen Eigenschaften, kombiniert es mit einer benutzerfreundlichen App, und isoliert gewissenhaft einige der erhobenen Daten für ausgewählte Produktwerbung. Fraglich bleibt aber, was passiert, wenn dies nicht gewissenhaft genug gemacht wird und die Daten nicht ausreichend anonymisiert werden. Wenn die Daten Aufschluss über die Identität des Nutzers geben und die Werbeanzeigen sehr aufdringlich sind. Und was ist mit Standortdaten?

„Ich denke, jeder versteht, dass man einem Kartendienst seinen Standort mitteilen muss, um eine Routenbeschreibung zu erhalten“, sagt Petrus. „Ob man seinem Lieblingsspiel – oder seinem Thermometer – seinen Aufenthaltsort verrät, sollte man sich aber zweimal überlegen.“

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As a PR Consultant and journalist, Frink has covered IT security issues for a number of security software firms, as well as provided reviews and insight on the beer and automotive industries (but usually not at the same time). Otherwise, he’s known for making a great bowl of popcorn and extraordinary messes in a kitchen.