Welche „Personality“ bist du? Facebook schmeisst 70.000 Datenschleuder-Apps raus

Facebook schwingt den Bann-Hammer und deaktiviert zehntausende Apps von der Plattform. Alle stehen unter dem Verdacht, gesammelte Nutzerdaten unerlaubt verwendet zu haben. Der Konzern geht damit auf die Kritiker ein – tatsächlich offenbart die Masse an Apps aber ein größeres Problem.

Apps gehören zu Facebook wie der „Daumen rauf“-Button und die Jubiläums-Erinnerungen. Facebook-Apps kommen in vielfacher Form: Entweder als Anwendung wie der Spotify-Player oder als Game wie Candy Crush. Auch die Facebook-Anmeldefunktion für andere Webseiten ist eine App.

Zu den beliebtesten Facebook-Apps zählen auch Persönlichkeits- und IQ-Tests à la „Welcher Game-of -Thrones-Charakter bist du?“ die man nach dem Absolvieren mit seinen Freunden teilen soll – die dann ebenfalls den Test machen.

Facebook-Tests und Umfragen sind klassische Datensammler

Solche Anwendungen stehen allerdings schon lange in der Kritik. Die Fragen sollen in erster Linie Informationen über den User sammeln. Das kann relativ harmlos sein, etwa wenn die App fragt, ob man Weichspüler verwendet oder sich für Sportwagen interessiert.

Es kann aber mitunter auch sinister zugehen, wie der Cambridge-Analytica-Fall von 2016 zeigt. Dort haben die App-Entwickler ihre Persönlichkeits-Tests dazu genutzt, unentschlossene US-Wähler aufzuspüren und ihnen gezielte Werbung für die Donald-Trump-Wahlkampagne zu liefern.

Dieser Fall, bei dem die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern zweckentfremdet wurden, hat für großen Ärger gesorgt. Als nach und nach weitere Datenschutz-Verstöße ans Licht kamen, war klar, dass es sich hier nur um die Spitze des Eisbergs handelt.

10.000 Facebook-Apps sind komplett gelöscht

Deshalb begann der Konzern im März 2018 damit, alle Apps auf ihren Umgang mit den User-Daten zu testen. Der aktuelle Bann ist das Ergebnis dieser Untersuchung. Insgesamt hat Facebook fast 70.000 Apps deaktiviert – das berichtet die New York Times und beruft sich auf Gerichtsunterlagen.

Wohlgemerkt, diese Apps sind momentan nur deaktiviert. Die Entwickler haben die Möglichkeit, sich zu den Anschuldigungen zu äußern. 10.000 Facebook-Apps sind allerdings komplett gelöscht worden, weil die Entwickler nicht auf Facebooks Anfragen reagiert haben.

Interessant ist zudem, dass alle deaktivierten und gelöschten Apps auf nur 400 Entwickler zurückgehen. Wenn man bedenkt, dass prinzipiell jeder Facebook-Apps entwickeln kann und tut, dann ist diese Zahl ziemlich überschaubar.

Apps verteilen auch Malware

Allerdings zeigt die schiere Masse an deaktivierten Apps wie unglaublich groß das Problem bei Facebook ist und das bislang keiner etwas dagegen gemacht hat. Denn Wählerbeeinflussung ist das eine, aber einige Apps haben die Smartphones der Nutzer sogar mit Malware verseucht.

Bis auf mPersonality nennt Facebook in seinem Report keine Namen, aber es wurden rechtliche Schritte gegen Firmen wie LionMobi und JediMobi eingeleitet, weil sie mit ihren Apps Malware verteilten.

Der Report betont, dass die Malware aus dem Verkehr gezogen und der Schaden beglichen wurde, in diesem Fall bei Werbekunden. Daraus lässt sich schließen, dass es sich um „Ad Fraud“ handelt, bei dem gebuchte Werbebanner und -videos gegen eigene ausgetauscht werden.

Mit der Aktion macht Facebook durchaus einen Schritt in die richtige Richtung, allerdings liegt nach wie vor einiges im Argen. Facebook fehlt etwa immer noch eine genaue Darlegung, was jede einzelne App sammelt und wie die Daten verwendet werden. Aktuell sind viele Anwendungen für die User immer noch eine Black-Box.