Webseite zeigt, welche Daten Facebook, Netflix & Co. speichert

AGBs, die meist umfangreichen Geschäftsbedingungen von Unternehmen, zählen zu den am häufigsten ignorierten Schriftstücken. Eine Studie von Deloitte hat ergeben, dass über 90 Prozent der Web-User die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren, ohne sie gelesen zu haben. Bei 18- bis 34-jährigen liegt der Wert sogar bei 97 Prozent.

AGBs kaum gelesen

Aber ist das wirklich Leichtsinn oder eher pragmatischer Kompromiss? Selbst wer sich durch die AGBs von Ebay, Firefox, Google oder Prime Video klickt – wer damit nicht einverstanden ist, kann zwar ablehnen, bleibt dann aber im digitalen Leben außen vor.

Und selbst wer die AGBs gründlich prüft, wird nicht immer sofort verstehen, was mit den oft verblümten Aussagen zum Erheben von privaten Daten, Zahlungsmethoden oder dem Aufenthaltsort gemeint ist. Wem gehören die Fotos auf meinem Instagram-Profil eigentlich? Und warum greift Spotify auf die Nachrichten in meinem Smartphone zu?

Tool überprüft Datenerhebung

Ein neues interaktives Online-Tool hilft hier weiter und zeigt die Datenerhebung der Web-Dienste in verständlicher Form an.

Geprüft werden dabei „Location“ (Standort), „Do Not Track Ignored“ (Tracking trotz deaktivierter Option), „Access To Your Messages“ (Zugriff auf Nachrichten), „Device Information & Usage“ (Gerätestatus) und „Activity On Third Party Sites“ (Tracking auf andere Webseiten).

Für das Tool wurden die AGBs von 21 Webdiensten ausgewertet, darunter Tinder, LinkedIn, Amazon, Google, Facebook, Instagram, Netflix und Twitter. Die erhobenen Daten werden für jeden Dienst einzeln dargestellt.

So lässt sich sehen, dass Twitter etwa umfangreichen Zugriff auf die Nachrichten erhält oder Dating-Apps wie Match oder Tinder den Nutzer auch dann orten, wenn die App gar nicht verwendet wird.

Who is tracking you

Nutzer werden nicht gut genug informiert

Dating-Apps, die per Umgebungs-Profilen arbeiten, sind auf den momentanen Standort angewiesen. Tinder ortet das Smartphone aber auch dann, wenn der User die Standort-Speicherung deaktiviert hat. Darüber müsste der Nutzer eigentlich informiert werden. Das selbe gilt auch für die Apps von Hinge (Dating), Tidal (Musikstreaming) und Netflix.

Wer sein Netflix-Konto im europäischen Ausland nutzt, erhält dort für eine Weile sein gewohntes Streaming-Angebot wie in Deutschland. Aus Lizenzgründen wird das Konto nach einem längeren Zeitraum aber auf das Streaming-Angebot des aktuellen Landes angepasst.

Dazu greift Netflix laufend auf den Standort zu – dass das aber auch bei abgeschaltetem Standort-Tracking passiert, ist nicht in Ordnung. Auch hier müsste Netflix den User darauf hinweisen bzw. den Dienst verweigern.

Insgesamt tracken 18 der 20 Apps ihre Nutzer, die Hälfte erhält Zugriff auf die Nachrichten und 14 Dienste lesen Gerätedaten aus. Wir sollten zukünftig vielleicht doch öfter mal in die AGBs gucken.