Was ist sicherer? Android oder iOS?

Was spielt für Sie beim Kauf eines Smartphones die wichtigste Rolle? Erstklassige Kamera, knackiger Bildschirm oder niedriger Preis? Wenn Sicherheit ganz oben auf dem Zettel stehen, fällt die Auswahl zumindest leicht.

Die Frage muss erlaubt sein: Was macht die milliardenschwere Entwicklungsabteilung von Apple eigentlich das ganze Jahr? Innovativ ist an neuen iPhones zumindest nicht mehr viel. „Neue“ Funktionen gibt es bei anderen Herstellern aus der Android-Fraktion in der Regel schon viel früher. Absolut spitze ist das iPhone nur noch bei Rechenleistung und Preis. Aber wie steht es mit der Sicherheit? Vielleicht ist das nicht das erste Thema, an das die meisten Menschen beim Smartphone-Kauf denken, nichtsdestotrotz ist es ein wichtiges. Schließlich stellt das Smartphone für den Großteil aller Nutzer das Zentrum ihres digitalen Lebens dar. Kontakte und Termine, besuchte Orte, Passwörter, Fotos, Chats – es entsteht eine riesige Menge an persönlichen Daten, die es zu schützen gilt. Eine große Rolle spielt dabei das Betriebssystem. In diesem Punkt schneidet iOS wesentlich besser als Android ab. Vor allem aus den folgenden Gründen.

Grund 1: Marktanteil – iOS kein großes Ziel

Die Verbreitung von Systemen oder Programmen war schon immer ein wichtiger Faktor für die Sicherheit. Aus der Sicht eines Cyber-Kriminellen ist die Sache klar: Warum sollte er einen Angriff auf ein System austüfteln, das nur wenige nutzen? Vielversprechend ist daher der Ansatz, den Marktführer ins Visier zu nehmen. Aus diesem Grund ist Windows das am meisten attackierte Desktop-Betriebssystem und bei den Smartphones eindeutig Android. Kein Wunder, bei einem Marktanteil von rund 75 Prozent in Deutschland. Apple ist mit iOS und rund 24 Prozent Marktanteil dagegen ein kleiner Fisch. Selbst wenn Android das sicherste mobile Betriebssystem der Welt wäre, hätte Google keine Chance, jeden Schädling und jeden Angriff abzuwehren. Das ist das Schicksal von dominanten Plattformen. Andersherum ist ein geringer Marktanteil für die Sicherheit vorteilhaft.

Weltweit ist Android unangefochten Marktführer, und damit für Cyberkriminelle Angriffsziel Nummer Eins.
Weltweit ist Android unangefochten Marktführer, und damit für Cyberkriminelle Angriffsziel Nummer Eins.

Grund 2: Viren und Malware -Weniger ist mehr

Android ist für Cyber-Kriminelle also das lukrativere Ziel, dementsprechend hoch ist die Anzahl an Viren, Hacks und Malware. Das ist angesichts des Marktanteils vielleicht keine große Überraschung, dafür aber, wie hoch die Anzahl an Android-Schädlingen tatsächlich ist. Experten schätzen, dass jeden Tag rund 10.000 neue Android-Schädlinge auftauchen. Zwar gab es in der Vergangenheit auch auf dem iPhone immer wieder Malware-Fälle, doch die lassen sich im Prinzip an zwei Händen aufzählen.

Grund 3:  Offen versus abgeschottet

Apple und Google haben ihre Betriebssysteme höchst unterschiedlich ausgelegt. So setzt Apple auf eine Technik namens Sandboxing. Das bedeutet, dass jede App in ihrem eigenen abgeschirmten Bereich läuft, wo sie nicht mit anderen Apps oder dem Betriebssystem interagieren kann. So kann in Apps enthaltener Schadcode keinen Schaden anrichten. Zudem hat Apple das Betriebssystem weitgehend abgeschottet, kaum konfigurierbar gestaltet und lässt nur bestimmte Schnittstellen zu. Google hat Android dagegen auf maximale Transparenz und Flexibilität getrimmt. Das hat zwar Vorteile für Anwender und Entwickler, macht die Plattform aber anfälliger für Angriffe.

Grund 4: Faktor App Store

Unterschiede zeigen sich auch bei der Sicherheit von Apple App Store und Google PlayStore. Apples strenge Kontrollmechanismen für den App Store stoßen zwar bei vielen Nutzern auf Kritik, sorgen aber zweifelsohne für mehr Sicherheit. Darüber hinaus lassen sich im Gegensatz zu Android keine Apps aus anderen Quellen installieren. Der einzige Weg führt also über den App Store, dessen Inhalte Apple peinlichst genau auf Schädlinge aller Art untersucht. Symptomatisch: Während es bei Apple mehrere Wochen vom Einreichen bis zur Veröffentlichung einer App dauern kann, nimmt derselbe Prozess bei Google meist nur wenige Stunden in Anspruch. Die Folge: Die Zahl bekannter Android-Apps mit Schadcode geht in die Millionen.

Grund 5: Update-Politik

iPhone und iPads versorgt Apple verhältnismäßig lang mit neuen Updates, in der Regel rund fünf Jahre. Anders sieht es bei Android aus. Abhängig vom Hersteller ist mitunter schon nach etwa zwei Schluss mit neuen Versionen. Kein Grund für die Besitzer, die Geräte in diesem Fall zu entsorgen. Folglich ist eine große Fragmentierung beim eingesetzten Betriebssystem entstanden. So befindet sich das aktuelle Android 10 auf gerade einmal acht Prozent aller Androiden, selbst sehr alte Versionen wie Android 5 (9,2 Prozent), Android 6 (11,2) und Android 7 (12,9 Prozent) weisen eine höhere Verbreitung auf. Andersherum: Über 90 Prozent aller Android-Geräte laufen mit einem veralteten System, das mal mehr, mal weniger Sicherheitslücken enthält.

 

Letzten Endes muss jeder selbst wissen, was für ein Smartphone er gerne hätte. Gerade die Dinge, die bei Android für Sicherheitslücken sorgen können, sehen viele als Features und Grund, zu so einem Phone zu greifen. Zum Glück kann man sein Android-Gerät dennoch gut schützen – zum Beispiel indem man einen Virenscanner installiert und Apps nur aus dem offiziellen Google Play Store herunterlädt. Und selbst wenn das iOS auf den ersten Blick viel sicherer aussieht – 100%ig ist das nicht.