Misinformation is a cybersecurity threat

Warum Fehlinformationen eine Cyber-Bedrohung darstellen

Angesichts der Corona-Pandemie und der sozialen Unruhen in vielen Ländern spalten die unterschiedlichsten Bewegungen aus den Bereichen Wissenschaft, Menschenrechte und Einwanderung die politischen Parteien und die Bevölkerung gleichermaßen. In diesen schwierigen Zeiten steht viel auf dem Spiel – daher sind alle Augen auf die bevorstehenden Wahlen gerichtet, die die politische Richtung der Länder maßgeblich vorgeben werden.

Doch viele Menschen fragen sich: Können wir darauf vertrauen, dass die Wahlen frei und fair verlaufen?

Die vorherrschende Meinung lautet „Nein“. Man muss nicht lange nach den Gründen dafür suchen. Die sozialen Medien werden genutzt, um uns zu beeinflussen, und Fehlinformationen gezielt eingesetzt, um Verwirrung zu stiften. Laut einer Umfrage von NPR/PBS NewsHour/Marist Poll befürchtet etwa ein Drittel der amerikanischen Wähler, dass sie irreführende Informationen in den sozialen Medien nicht als solche erkennen können und dass diese die größte Bedrohung für die Wahlen darstellen.

Um zu verstehen, wie sich nationale Wahlen auf die Online-Privatsphäre auswirken – und umgekehrt – führte Opinion Matters im Auftrag von Avira eine repräsentative Stichprobe bei Bürgern dreier Länder durch, in denen demnächst wichtige Wahlen anstehen: in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Hongkong. Die Meinungen der Befragten unterschieden sich zwar von Land zu Land, doch in einem Punkt stimmten die Befragten aller drei Länder überein: dass die bevorstehenden Wahlen nicht frei und fair verlaufen werden. Die Mehrheit der 2.000 Befragten gab Fehlinformationen in den sozialen Medien als Hauptbedrohung an – eine Beeinflussungsmethode, die mit den US-Wahlen 2016 ins öffentliche Bewusstsein gelangte und immer noch weit verbreitet ist. Die in Deutschland Befragten haben noch das größte Vertrauen in einen fairen demokratischen Ablauf: 38 % glauben, dass die Wahlen frei und fair verlaufen werden, verglichen mit 28 % in Hongkong und 24 % in den USA.

Es verwundert kaum, dass die Umfrageteilnehmer glauben, dass die Wahlen in ihrem Land manipuliert werden. Denn Facebook sperrt immer wieder Netzwerke von diversen zusammenhängenden Propaganda-Konten, die Wahlmanipulation betreiben und mit Iran und Russland in Verbindung gebracht werden. Im Oktober 2019 wurde beispielsweise ein Netzwerk aufgedeckt, das die US-Präsidentschaftswahlen 2020 im Visier hatte und hinter dem die Troll-Armee der russischen Agentur „Internet Research Agency“ (IRA) steckte. Diese verbreitete schon 2016 über mehrere Fake-Accounts politische Falschmeldungen und spaltende Blog-Artikel.

In unserem Bericht zur Studie schlüsseln wir die Meinungen zur Rolle der verschiedenen Technologien sowie zur Online-Privatsphäre und zu Fehlinformationen in Zusammenhang mit den Wahlen auf. Zudem legen wir dar, wie die Befragten der verschiedenen Länder vorgehen wollen, um ihr digitales Leben bis zum Wahltag zu schützen. Als Einleitung zu diesem Bericht definieren wir hier den Begriff „Fehlinformation“ und erklären, warum es sich dabei um eine Cyber-Bedrohung handelt.

Fehlinformation versus Desinformation

Die beiden Begriffe werden oft miteinander verwechselt bzw. synonym verwendet, doch es gibt einen wichtigen Unterschied: die vorhandene oder fehlende Absicht, Unwahrheiten zu verbreiten. Fehlinformationen werden als Falschmeldungen definiert, die nicht zur absichtlichen Irreführung verbreitet werden. Ein Beispiel: Ihr ahnungsloser Cousin hat eine Verschwörungstheorie geteilt, laut der Hillary Clinton im Keller einer Pizzeria Kinder in satanischen Ritualen sexuell missbraucht. Er könnte damit unabsichtlich ein wichtiges Glied in der Kette von Ereignissen gewesen sein, die dazu führte, dass ein Mann mit einem halbautomatischen AR-15-Gewehr bewaffnet eine Pizzeria in Washington stürmte, um den vermeintlichen Kinderschänder-Ring zu stellen.

Desinformationen hingegen werden in irreführender Absicht erstellt und verbreitet. Die Unterscheidung der beiden Begriffe wird dadurch erschwert, dass sich Desinformation zu Fehlinformation entwickeln kann, je nachdem, wer sie mit welchem Ziel verbreitet. Zum Beispiel können im Rahmen einer politischen Kampagne gezielt falsche Nachrichten verbreitet werden. Das nennt sich dann Desinformation. Wenn Menschen falsche oder irreführende Artikel, Fotos und Memes in dem Glauben, dass sie wahr und real sind, teilen, spricht man von Fehlinformation.

Warum stellt dies ein Risiko für die Online-Sicherheit dar?

Natürlich führen übers Internet verbreitete Fehlinformationen und Verschwörungstheorien nicht immer dazu, dass sich jemand bewaffnet und Amok läuft, nichtsdestotrotz können sie eine Cyber-Bedrohung darstellen. Wie zum Beispiel politische Kampagnen, die darauf abzielen, Wähler mittels unzulässiger Methoden gezielt zu beeinflussen oder zur Stimmabgabe für ihren Kandidaten zu bewegen oder den Gegner zu diskreditieren. Oder wenn unabhängige, an kein Land und keine Partei gebundene Akteure den Wahlkampf ausnutzen, um Profit zu machen – was mittlerweile leider eine gängige Praxis ist: So haben Betrüger beispielweise kürzlich versucht, mithilfe sogenannter Robocalls über gefälschte Spendenaufrufe für politische Zwecke an Geld zu kommen. In einem anderen Fall versuchten Betrüger während des Corona-Lockdowns über Fake-Angebote nicht existierende Welpen zu verkaufen.

Auch staatlich geförderte Akteure haben schon versucht, per Desinformations-Kampagne politische Sabotage zu betreiben. So postete zum Beispiel 2019 jemand im Namen des Senators Marco Rubio einen Tweet, in dem behauptet wurde, dass eine britische Spionage-Agentur geplant habe, den Wahlkampf republikanischer Kandidaten bei den Zwischenwahlen 2018 zu torpedieren. Der Fake-Tweet wurde von RT, einem russischen, staatlich kontrollierten Nachrichtensender, aufgegriffen und fälschlicherweise als echt dargestellt. Laut CNN Business gibt es keine Beweise für eine Zusammenarbeit von RT und der russischen Gruppe, von der man annimmt, dass sie dahintersteckte… Aber der Nachrichtensender nahm auch keine Richtigstellung vor.

Es lässt sich nicht leugnen: Fehlinformationen sind eindeutig eine Gefahr für freie und faire Wahlen. In unserem Bericht zu der von Avira beauftragten Studie erfahren Sie, wie die Befragten die Rolle von Fehlinformationen und anderen Bedrohungen während der Wahlen einschätzen.

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Englisch

Lisa has been writing, editing and setting editorial direction in technology publications since 1995, including 12 years as reporter/executive editor at eWEEK/PC WEEK; 9 years as a main content creator for Sophos's award-winning Naked Security cybersecurity blog; and contract work for SentinelOne, CIO Mag, ComputerWorld, PC Mag, and IT Expert Voice, et al.