Venmo plaudert aus, was Sie gekauft haben

Online einkaufen und Geld an Freunde, Mitbewohner oder die Familie schicken war noch nie so einfach wie heutzutage – vor allem wenn man in den Vereinigten Staaten wohnt und dort eine App wie Paypals Venmo nutzt.

Venmo ermöglicht einfaches einkaufen ohne Transaktionskosten – alles was man dazu machen muss, ist sich einen Account erstellen, ein paar Informationen angeben und seine Bankdaten hinzufügen. Zahlungen durchführen ist aber nicht alles, was die App kann. Sie verfügt auch über einen sozialen Feed und hier gehen die Probleme los: So ziemlich jeder mit einem Internetzugang kann auf die öffentliche API zugreifen und sehen, was für Transaktionen durchgeführt wurden.

Bezahl-App und soziales Netzwerk in einem

Eigentlich hört es sich ja cool an: Man teilt seinen Venmo-Freunden per Feed mit was man gerade gekauft hat und interagiert mit Kommentaren und Emojis. Das große Problem ist aber, dass viele ihre Einkäufe eher nicht freiwillig teilen dürften. Venmos Privatsphäre-Einstellungen sind standartmäßig auf „Öffentlich“ gestellt, etwas was die meisten Nutzer bei der Ersteinrichtung wahrscheinlich übersehen, aus Zeitdruck wegklicken, oder nicht realisieren.

Die Venmo-App samt sozialem Feed

Laut Hang Do Thi Duc, einer Forscherin die auf ihrer Webseite einige der Menschen, die die App nutzen, über die API nachverfolgt hat, werden dadurch über 200 Millionen Transaktionen für jeden einsehbar.

Eine API für neugierige Augen

Der Feed hält nichts zurück: Man findet heraus was gekauft wurde, wann man einkaufen war, bei wem man eingekauft hat, den Namen, den Nutzernamen, die Facebook-ID, Profilbilder und natürlich auch die Transaktions-ID. Alles ist dabei.

PublicByDefault.fyi – die von Do Thi Dic erstellte Seite – zeigt was man aus diesen Informationen alles über verschiedene Menschen erfahren kann. Da gibt es zum Beispiel den Cannabis-Verkäufer, dessen Geschäft so gut läuft, dass er jemanden einstellen will,  zwei Liebespaare mit unterschiedlichen Lovestories und mehr. Man muss aber schon selbst einen Blick auf die Seite und die Schnittstelle werfen, um einen Eindruck davon zu gewinnen, was man über die Transaktionen so alles über die Menschen dahinter herausfinden kann.

Eine Nutzerin tätigte in nur acht Monaten 965 Transaktionen für Soft Drinks, alkoholische Getränke, Fastfood und Süßigkeitgen.

Kennen Sie Ihre Apps und Privatsphäre-Einstellungen

Dass die App nur in den USA verfügbar ist, macht es einfach, denn Sie dürften Sie eher nicht auf Ihrem Gerät haben. Wenn doch, folgen Sie einfach dieser Anleitung, um die Privatsphäre-Einstellungen zu aktivieren. Die eigentliche Frage ist letzten Endes eine andere: Gibt es ähnliche Apps auf Ihrem Gerät, die eventuell mehr teilen als Ihnen lieb ist?

Das herauszufinden wird Sie Zeit kosten – es gibt leider keine Abkürzung. Sie sollten sich mit den Anwendungen auf Ihrem Smartphone (und natürlich PC) auseinandersetzen, sich die Einstellungen zum Schutz Ihrer Privatsphäre genau ansehen und dann entscheiden, was geteilt wird und was nicht.

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Englisch

PR & Social Media Manager @ Avira |Gamer. Geek. Tech addict.