Trotz verschärftem Datenschutzgesetz: Internetseiten sammeln weiter fleißig Nutzerdaten

Die noch frische Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) will Surfer vor Datensammlern schützen. Ein hehres Ziel, nur hält sich kaum jemand daran, wie eine aktuelle Untersuchung offenbart.

Nahezu alle Internetseiten spionieren ihre Besucher aus und erlauben Datensammlern das Anlegen detaillierter Persönlichkeitsprofile. Das darf so nicht weitergehen, so die Europäische Union, der Datenschutz müsse sich grundlegend verbessern. Die Anfang des Jahres in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) sollte ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein. Doch die neue Verordnung zeigt keine Wirkung, wie eine aktuelle Untersuchungen der Datenschutzexperten von eBlocker (https://www.eblocker.com/de/ ) zeigt.

Große Ziele, kaum Effekt

Einer der wesentlichen Inhalte der DSVGO: Nutzer müssen ausdrücklich ihre Einwilligung zu der Verarbeitung der sie betreffenden personenbezogenen Daten abgeben, solange kein berechtigtes Interesse vorliegt. Zuvor genügte das stillschweigende Einverständnis. Die deutschen Datenschutz-Aufsichtsbehörden verlangen daher: Seitenbetreiber und Onlinedienste müssen erst einmal eine Erlaubnis vom Nutzer bekommen, wenn sie personenbezogene Daten verarbeiten. Deswegen erscheinen inzwischen auf nahezu allen Internetseiten spezielle Hinweiskästen zum Datenschutz. Die Vorschrift lautet, dass der Widerspruch zur Datenverarbeitung genauso einfach wie die Einwilligung zu erklären ist. Vorbildlich wäre also zum Beispiel die Auswahl zwischen „Ja, ich stimme der Verarbeitung meiner Daten zu“ oder eben „Nein, ich stimme nicht zu“.

So stellen sich die Aufsichtsbehörden die Umsetzung der DSVGO vor: Besucher können mit einem Klick der Datenerhebung zustimmen oder widersprechen.

 Genau so sieht es aber eben nicht auf vielen Seiten aus. Eine stichprobenartige Untersuchung der Internetseiten der 10 umsatzstärksten DAX-Unternehmen (Volkswagen, Allianz, Daimler, Deutsche Bank, Siemens, E.ON, Metro, Deutsche Post, Deutsche Telekom, BASF*) durch die eBlocker-Experten zeigte: Nur E.ON setzt die Anforderungen der Aufsichtsbehörden ordentlich um.

 Datensammlern widersprechen kompliziert wie eh und je

Auf den anderen Seiten der anderen Unternehmen ist stattdessen (wie bei den meisten anderen Seiten im Web) folgendes Verfahren üblich:

  • Der Datenerhebung zuzustimmen, ist kinderleicht. Das geschieht entweder automatisch mit dem Wegklicken des Datenschutzhinweises oder per Klick auf „Einverstanden“, „Weiter“, „Akzeptieren“ oder ähnlich. Wer die Hinweise ignoriert, stimmt automatisch der Datensammlung durch Tracker und Cookies zu.
  • Der Datenerhebung dagegen zu widersprechen, ist kompliziert bis unmöglich. Denn eine „Nein, ich stimme der Datenerfassung nicht zu“-Schaltfläche (oder ähnlich) ist nicht vorhanden.

Folglich müssen Besucher über Schaltflächen wie „Weitere Informationen“ sich in die Tiefen der jeweiligen Datenschutzerklärungen begeben, die oft seitenlangen, im Juristendeutsch verfassten Datenschutzerklärungen studieren und jeweils einzeln dem Einsatz von Trackern widersprechen. Darüber hinaus ist oft noch die Installation von Zusatzprogrammen nötig, die für viele Geräte – beispielsweise iPads von Apple – nicht verfügbar sind. Christian Bennefeld von eBlocker kann es nicht fassen: „Ich war vorsichtig optimistisch, dass es die DSGVO vereinfacht, sich gegen Datensammler zu wehren. Es ist praktisch fast alles gleich schlecht geblieben. Die DSGVO scheint sich als zahnloser Tiger zu entpuppen, den nicht einmal die größten Unternehmen mit bester juristischer Beratung fürchten“.

So nutzerfeindlich wie daimler.com setzen die meisten Internet-Seiten die DSVGO um.

Fazit: Kaum Besserung

Unterm Strich zeigt die Strichprobe, dass das ambitionierte Ziel der DSVGO, die seitenlangen Belehrungsschriften zu verbannen, die kaum ein Nutzer durchgeht und ungelesen abnickt, zum aktuellen Zeitpunkt gescheitert ist. Die vom Gesetzgeber verlangte „informierte Einwilligung“, die Jeder ohne langes Lesen versteht und per Klick abgibt, ist immer noch die absolute Ausnahme.

* Stand 12.12.2018

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