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Thimbleweed Park: Review

Klassische Point-and-Click Adventures sind out. Sie sind die Dinosaurier unter den PC-Spielen und niemand interessiert sich mehr für sie, richtig? Naja … so halbwegs. Point-and-Click-Adventures hatten ihr Hoch vor mehr oder weniger 30 Jahren, als Klassiker wie Monkey Island, Zack McCracken und Kings Quest eine ganze Generation von Gamern gefangen nahmen. Seitdem haben sich Adventures weiterentwickelt: Ein benutzerfreundlicheres einfach zu nutzendes Interface, Hi-Res-Grafik, etc. Das Übliche halt.

Was ist Thimbleweed Park?

Ron Gilbert, einer der Köpfe hinter dem geliebten Klassiker Monkey Island, will dass ihr das alles vergesst. Mit Thimbleweed Park nimmt er euch mit auf eine Reise in die Zeit, als gute Adventuregames noch ein Verbmenü hatten und die Pixeljagd zur Tagesordnung gehörte. Man könnte eigentlich wirklich meinen, man würde eine Fortsetzung (oder einen Vorgänger … je nach dem) von Maniac Manson spielen – wenn da nicht das fehlende LucasArts-Logo wäre.

Thimbleweed Park ist ein über Kickstarter finanziertes Point-and-Click-Adventure, das mit demselben abgefahrenen und manchmal auch übertrieben Humor daherkommt, wie seine geistigen Vorfahren. Dennoch handelt es sich hier nicht um eine Komödie in Spielformat: Ihr seid schließlich damit beauftragt einen Mord aufzuklären … oder auch zwei. Und genau da kommen nun Agent Angela Ray und Antonio Reyes ins Spiel, zwei FBI-Agenten, die irgendwie Ähnlichkeiten zu Mulder und Scully aufweisen – und beide eine verdeckte Agenda haben. Leider sind die beiden als Spielercharaktere nicht so richtig überzeugend. Das mag zum einen an der Menge der spielbaren Charaktere liegen (fünf insgesamt) aber auch daran, dass die beiden so gut wie nie interagieren müssen oder können. Und selbst wenn, haben sie sich nicht sonderlich viel zu sagen. Auch enttäuschend: Fast der ganze Dialog ist austauschbar, mit minimalen Variationen.

Wie spielt sich das Spiel so?

Im Laufe der Story lernt man nach und nach auch den Rest der spielbaren Charaktere via Flashbacks kennen: Ransome, den beleidigenden Clown, Delores, das Mädchen, das einfach nur einen Job bei MMucasFlem bekommen will (ja, das ist eine Anspielung auf LucasFilm – gut aufgepasst!), um Adventures zu programmieren und Delores Vater, dessen Name ich vergessen habe. Er will übrigens die abgebrannte Kissenfabrik der Stadt wieder aufbauen und dort Teddybärkissen produzieren.

Die gut erzählte Story mit ihren verschiedenen Nebenhandlungen zieht einen von Anfang an in den Bann, hütet ihre Geheimnisse gut und hält die eine oder andere Überraschung parat. Jedes Mal, wenn ich dachte ich hätte endlich herausbekommen was wirklich in Thimbleweed Park passiert, wurde ich von neuem überrascht. Man finden übrigens ziemlich schnell heraus, dass der Mord nur ein Teil einer größeren, unheilvollen Geschichte von Tod, Verrat, Flüchen und … aber nein, das wäre ja ein Spoiler. 😉

Wie in den meisten Adventuregames ist Thimbleweed Park vollgepackt mit Rätseln, von denen einige zwar etwas schwerer, keins aber so unlogisch oder weit hergeholt ist, wie die Rätsel in anderen Spielen, die ich gespielt habe (ja, ich meine dich, Sam & Max!). In der zweiten Hälfte zieht der Schwierigkeitsgrad ein wenig an, was unter anderem auch daran liegt, dass man plötzlich mit fünf Figuren hantieren und herausfinden muss, wer was braucht, um welche Aufgabe zu lösen. Allerdings sollte es selbst dann nicht zu lange brauchen, bis man zumindest irgendeinen Fortschritt zu verzeichnen hat.

Im Großen und Ganzen habe ich in etwa 18 Stunden gebraucht, um das Spiel von Anfang bis Ende durchzuspielen, fast alle Steam-Erfolge zu sammeln und exzessiv nach Staubkörnern zu suchen. Denn wenn man schon auf Pixeljagd ist, warum nicht gleich so absurd wie möglich?

Sollte ich das Spiel kaufen?

Wenn du Adventuregames magst, ist Thimbleweed Park ein MUSS. So ist nicht nur die Geschichte unglaublich unterhaltsam: Das Spiel macht auch jede Menge Anspielungen auf die alten Klassiker. Das fängt mit einer bestimmten Kettensäge an (werden wir das Benzin dafür dieses Mal im richtigen Spiel finden?) und zieht sich über Chuck die Pflanze bis hin zu abertausenden Monkey Island-Referenzen. Die Grafik ist für ein absichtlich im alten Pixelstil gehaltenes Spiel wunderschön und die Rätsel – auch wenn sie manchmal etwas schwerer ausfallen – sind eigentlich nie unlösbar oder komplett unlogisch. Dank des „einfachen“ Modus, den man am Anfang des Spiels auswählen kann, sollten sich auch Adventure-Newbies zurechtfinden können, allerdings könnte die Retrografik abschreckend auf sie wirken. Für 20€ kann man allerdings wirklich nicht viel verkehrt machen.

 

Thimbleweed Park ist auf Steam für €19,99 erhältlich.

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