Test zeigt: Kinderschutz auf PC und Handy löchrig und unvollkommen

Viele Eltern verlassen sich auf die Kinderschutzfunktionen in Smartphones und PC. Eine Untersuchung zeigt aber, wie unzureichend die Systeme arbeiten.

Kinder und Internet – das ist eine verzwickte Sache. Einerseits praktisch, wenn die Eltern mal Ruhe haben wollen. Andererseits pädagogisch fragwürdig und obendrein gefährlich. Denn was dann über die Bildschirme von Smartphone, Tablet oder PC flimmert, lässt sich nicht so einfach kontrollieren. Dabei ist die Gefahrenlage nicht zu unterschätzen: Gewalt, Pornografie, Mobbing, Abzocke – um nur einige Beispiele zu nennen. Abhilfe sollen die direkt in die Betriebssysteme eingebauten Jugendschutzfunktionen bieten. Aber wir gut schützen diese wirklich? Das haben die Experten von AV-Test untersucht. Das ernüchternde Urteil: Nur die Kontrolle der Nutzungszeit funktioniert in der Regel ordentlich, ansonsten weisen die Systeme zum Teil eklatante Lücken auf.

Alle Großen dabei

Die Tester nahmen die die Kinderschutz-Funktionen von Windows 10 (Family Safety), MacOS High Sierra (Mac Parental Controls), Android 8.0 (Google Family Link), iOS 12 (iOS Parental Controls) sowie Fire OS von Amazon (Kindle Fire Parental Controls) unter die Lupe. Alle Systeme weisen im Prinzip den gleichen Aufbau aus: Ein Elternteil fungiert sozusagen als Administrator und wählt dann in der Regel ein der Altersgruppe entsprechendes, vorgefertigtes Profil fürs Kind.  Eltern ohne Fachkenntnisse vermuten mutmaßlich, dass so ein Profil dann alles abdeckt.

Insgesamt prüften die Tester sieben verschiedene Bereiche. Oft waren elementare Funktionen nicht einmal enthalten.

Webseitenfilter mangelhaft

Falsch gedacht.  Vor allem in vier Bereichen fanden die Tester Mängel und fehlende Schutzmechanismen. Besonders eklatant waren die Lücken in den Webseiten-Filtern: Während pornografische Webseiten einigermaßen zuverlässig geblockt wurden, dürfen die Kleinen aber mehr oder weniger ungebremst auf Glückspiele, Gewalt, Dating-Plattformen, Shoppingseiten, Chats und illegale Plattformen zugreifen. Die Filter seien „einfach schlecht“. So die Tester. Offenbar sieht das auch Amazon so und sperrt auf dem Kindle mit aktiviertem Filter einfach einmal alle Internetseiten, also auch die Seiten für Kinder. So geht es natürlich auch nicht.

Gewalt, Glücksspiele, Tabak: Die meisten Filter winken solche Inhalte einfach durch.

Kein Schutz privater Daten

Kinder haben noch kein Gespür für sensible Daten wie Telefonnummer und Adresse und teilen diese gerne, etwa via Social-Media. Es wäre wünschenswert, wenn das die Schutzfunktionen erkennen und unterbinden würden. Tun sie aber nur unzureichend oder gar nicht. Eine Kontrollfunktion gegen den Abfluss privater Daten und eine Social-Media-Kontrolle bietet keines der Systeme.

Kein Schutz vor Bezahlfallen

Kinder sollen im Web nichts kaufen können. Weder per PayPal noch per Gutschein, weder Waren noch Apps. Das Testergebnis ist aber ernüchternd: Eine App-Kontrolle gibt es nur bei MacOS und Google Android. Bei den restlichen Systemen existiert nur ein generelles Installationsverbot für Apps, welches sich an- oder abschalten lässt.

Kein Schutz vor Cyber-Grooming

Beim sogenannten Cyber-Grooming, also Online-Anfragen von Erwachsenen mit sexuellen Motiven Kinder, patzen die Kinderschutzsysteme ebenfalls. Gefragt wären Module, die etwa automatisch fragwürdige Bildinhalte erkennen, die Übertragung verhindernden und den Vorgang in einem Report festhalten. Pustekuchen. Kein System bietet eine entsprechende Funktion.

Fazit

Unterm Strich sind die Jugendschutzfunktionen löchrig und unvollkommen, so das Resümee der Tester. Die Anbieter der Betriebssysteme schützten grundsätzlich in einigen Bereichen – und in einigen Bereichen überhaupt nicht. Insbesondere beim Filtern von Webseiten, dem Schutz privater Daten und vor sexuellen Online-Anfragen (Cyber-Grooming), versagen die Systeme auf ganzer Linie.

Den kompletten Test lesen Sie hier.