MPC: Anbieter von verschlüsselten Smartphones waren Drogenbarone

Wer auf der Suche nach einer Technik ist, die nicht angeboten wird, kann entweder zur zweitbesten Lösung greifen oder sein eigenes Produkt bauen. So ähnlich dachten auch die Drogendealer, die ihr eigenes verschlüsseltes Smartphone bauten.

So zumindest stellt es ein Artikel dar, der das Leben des niederländischen Bloggers Martin Kok beleuchetet. Der war nicht nur selbst im Drogengeschäft tätig und inhaftiert, sondern wurde in Amsterdam auch auf offener Straße bedroht.

Wer der Angreifer war, ist bislang nicht bekannt. Möglicherweise hatte es mit einem alten Kunden von Kok zu tun: Das Unternehmen MPC, das verschlüsselte Smartphones und Notebook vertrieb. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, ist MPC kein gewöhnliches Unternehmen.

MPC: Anonym durch eigenes Betriebssystem

Drogenhändler und -Kuriere sind wie viele andere Kriminelle auf eine abhörsichere Kommunikation angewiesen. Im digitalen Zeitalter kann man die Anweisungen nicht mehr auf kleine Zettel schreiben – wie es etwa der berüchtigte Mafia-Boss Provenzano tat.

Man benötigt ein sicheres Smartphone. Zwei Drogenbarone, die nur als „Die Brüder“ bekannt sind, hatten es lange mit verschlüsselten Blackberrys probiert. Davon aber nicht völlig überzeugt, heuerten sie einen Entwickler an, der ihnen ein angepasstes Betriebssystem programmierte.

Mit diesem OS verschickten die Telefone ausschließlich verschlüsselte Nachrichten und E-Mails. Außerdem wurden die Daten über selbst eingerichtete Server geschickt. In einigen Fällen wurden auch GPS, Kameras oder das Mikrofon der Smartphones entfernt.

Ein ungewöhnlicher Smartphone-Shop

Das funktionierte so gut und war so sicher, dass die Smartphones nicht mehr nur für den Eigengebrauch, sondern auch für den Verkauf hergestellt wurden. MPS soll auf seinem Online-Shop unter anderem Google Nexus 5 und 5x vertrieben haben.

Neben Telefonen wurden auch Tablets und Computer angeboten. Um seriöser zu wirken, richtete sich der Online-Shop an Kunden, denen Privatsphäre besonders wichtig ist. Illustriert wurde der Shop etwa mit einem Foto von Edward Snowden.

Wie erfolgreich das Geschäft mit den anonymen Geräten war, lässt sich nicht sicher sagen, allerdings heuerten die Kriminellen den Blogger Kok an. Der Sicherheitsexperte sollte ein Gerät auf Herz und Nieren prüfen – der Auftrag kam aber nie zustande.

Deutlich detaillierter beleuchtet den Fall der englischsprachige Vice-Artikel des Autoren Joseph Cox. Ein Wort der Warnung: Der Text schildert die gewaltätige Unterwelt der Drogenhändler ungeschönt und recht bildhaft.