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Nein, Ihr Computer enthält (vermutlich) keine Kinderpornographie

Aber manchmal gehen die Dinge schief – und zwar komplett. Erst kann man sich nicht mit der gewünschten Webseite verbinden und dann ruft jemand an und erzählt Ihnen, dass Ihr Gerät schwerwiegende Probleme hat – inklusive Schadsoftware und Kinderpornographie.

Diese Personen werden nervös. Sie treffen verschiedene Entscheidungen. Bedenkliche Entscheidungen.

  1. Sie hören der Stimme am anderen Ende des Telefons zu.
  2. Sie lassen die Person per Remote-Verbindung Zugriff auf Ihren Computer nehmen.
  3. Sie glauben an das, was die Person über Ihre Entdeckungen auf diesem Computer sagen.
  4. Sie bereiten sich darauf vor, die Person für die Reparatur Ihres Computers zu bezahlen.

Ich dachte, dass es sich dabei um einen alten Scam handelt, der schon wieder aus der Mode ist. Ich hatte mich mit dem Thema bereits befasst, als ich vor Jahren bei einer anderen Sicherheitsfirma arbeitete. iYogi, ihr externer Anbieter für Computerwartungen, hatte wilde und falsche Aussagen bezüglich meines Computers von sich gegeben. Dann bekam Brian Krebs, der unerschrockene Journalist hinter Krebsonsecurity, Wind von den Machenschaften von iYogi und startete seine eigenen Recherchen. Geniale Arbeit. Ungeachtet dessen, ob es nun Mitarbeiter von iYogi waren, die im Alleingang das große Lügen begannen, um ihre Verkaufsquote noch zu erfüllen, wurde der Dienstleistungsvertrag innerhalb von 24 Stunden nach der Veröffentlichung des Reports gekündigt.

Es passierte direkt vor meinen Augen in einer Stadtbibliothek irgendwo in Amerika

Eine Frau hat Probleme mit ihrem Computer und telefoniert eine ganze Weile mit jemandem. Die Rede ist dabei von potentiell unerwünschten Programmen, ausgelaufenen Zertifikaten und mehr. Ich laufe also zu ihr hinüber und bekomme mit, wie sie gerade die Zahlungsbedingungen erklärt bekommt. Das ist der Moment in dem ich auch erfahre, dass die Firma die Frau aufgrund von Computerproblemen kontaktiert hat.

Da die Dame kurz davor ist zu zahlen, treffe ich meine Entscheidungen sehr schnell und ohne Rückfrage. Anstatt dass ich den Namen der Firma in Erfahrung bringe, wie die Frau bezahlen sollte oder, dass ich gar selbst mit dem scheinbar technisch versierteren Menschen rede (was wahrscheinlich ein sehr unterhaltsamer Blogartikel geworden wäre), sage ich direkt:

„Sie sollten das Telefonat beenden, es ist Scam“. Sie winkt mich rüber und ich deaktiviere ihre WLan-Verbindung und entferne die zwei Netzwerk-Apps. Weitere Apps waren scheinbar nicht installiert.

Ich weiß nicht, was das Problem herbeigeführt hatte oder wie die Scam-Firma an ihre Telefonnummer gekommen war. Aber was ich wusste war, dass diese Frau gerade gescammt wurde, dass sie keine Ahnung von IT hatte und dass ich die Bibliothek trotzdem schnell verlassen musste – ich hatte noch eine andere Verabredung. Ich vermute, dass die Computerprobleme bei der Frau durch fehlende Updates hervorgerufen wurden, ihr Antivirus wurde zuletzt vor 960 Tagen aktualisiert und sogar das Kalenderdatum des Computers war aus den Fugen geraten.

Das bringt mich zu diesen drei Kardinalsregeln

1. Keiner wird Sie je anrufen.

  • Wenn Sie nur eine Sache aus dem Artikel mitnehmen, dann diese: Keiner wird Sie jemals einfach so anrufen, nur, weil Ihre Software ein Problem hat. Das wird einfach nicht passieren.

2. Lassen Sie niemanden in Ihren Computer.

  • Ich bin mir relativ sicher, dass die Frau keine Kinderpornographie auf ihrem Computer hatte. Aber wer weiß schon, was sich hinterher drauf befindet?

3. Finden Sie heraus, wen Sie um Hilfe bitten können.

  • Das ist eine taffe Frage. Diese Frau hatte offensichtlich keinen Tech-Geek zu Hause. Ihre Erfahrungen mit dem Reparaturservice eines Discounters waren nicht „zufriedenstellend“. Ich schlug vor, die IT-Abteilung ihres eigenen Krankenpflegedienstes aufzusuchen. Die entsprechende Webseite war aufgrund abgelaufene Zertifikate schließlich nicht aufrufbar – da wäre es schon angebracht wenn sie auch davon wüssten. Und ich hoffe, dass sie der Frau die richtige Richtung weisen werden.

Vielleicht finde ich bei meinem nächsten Besuch in der Bibliothek ja mehr heraus. 🙂

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As a PR Consultant and journalist, Frink has covered IT security issues for a number of security software firms, as well as provided reviews and insight on the beer and automotive industries (but usually not at the same time). Otherwise, he’s known for making a great bowl of popcorn and extraordinary messes in a kitchen.