IoT

IoT ‒ Internet der Dinge oder doch eher das Irritierende der Dinge?

Die Industrie wird niemals Erfolge feiern können, wenn nur verkauft wird, was die Kunden nicht zuverlässig installieren können. Auch ich wollte mein Zuhause fit für die IoT-Ära machen und meine persönliche Erfahrung zeigt: Die Branche hat noch einen weiten Weg vor sich.

Lasst das Projekt beginnen

Ich begann mein Heim-IoT-Projekt mit großen Hoffnungen. Ich bin jemand, der neue Technologien früh nutzt und auch vor Do-it-yourself-Aufgaben nicht zurückschreckt. Also war ich von der Idee begeistert, Licht, Türschlösser, Alarmsysteme und die Heizung steuerbar und aus der Ferne bedienbar zu machen. Zusätzliches Lehrgeld musste ich einem Schlüsseldienst zahlen: 150 Euro, nachdem ich mich versehentlich ausgesperrt hatte.

Vom technischen Standpunkt aus bin ich seit über 25 Jahren in der IT-Branche tätig. Wie viele andere Haushalte auch, haben wir Zuhause verschiedenste persönliche, Netzwerk- und Unterhaltungsgeräte. In den letzten 18 Monaten habe ich mich erfolgreich mit einer Apple Watch, den Bragi Dash In-Ear-Kopfhörern, einer Withings Waage und einem Blutdruckmessgerät vernetzt.

Ich bin mit Heimwerker-Projekten vertraut und habe keine Angst vor elektrischer Verkabelung oder Veränderungen am Haus. Und weder von meiner Frau noch von meiner Tochter gab es bis dato Beschwerden, dass unser Heimnetzwerk Probleme machen würde. Der Übergang in die IoT-Ära war also eigentlich der nächste logische Schritt. Wir hatten ja bereits fest installierte, mobile und tragbare Technologie im Haus. Was sollte schon schiefgehen?

Kommunikation, die Türen schließt

Ich schrieb eine IoT-Liste: Protokolle, Steuerelemente, Türschlösser, Lichtschalter, Kameras, Thermostate usw. Dann recherchierte ich zu den einzelnen Punkten. Ich wollte ein flexibles und offenes Kommunikationsprotokoll und keines, das in eine proprietäre Lösung eingebunden ist. Da unser Haus Ziegelwände und Betonböden hat, entschied ich mich für ein Z-Wave mit seinem Mesh-Netzwerk. Als Controller wählte ich ein VeraEdge, um meine Geräte mit dem W-LAN und dem Internet zu verbinden.

Die Eingangstür war mein erstes Projekt. Ich wollte ein Schloss, das wir mit unseren Telefonen, NFC, Bluetooth und dem Internet öffnen können. Die erste Wahl fiel auf ein Gerät, das mit Bluetooth- und Z-Wave kompatibel ist. Es dauerte nicht mal 30 Minuten, es in die Tür einzubauen und über das Gateway verfügbar zu machen. Die Zeit, die es ansonsten in Anspruch nahm, war allerdings ein ganz anderes Thema. Da es neben dem Standardbolzen im Schloss noch vier Sicherheitsbolzen zu öffnen galt, musste ich das Gerät auf die stärkste Stufe einstellen, um sicherzugehen, dass die Tür überhaupt aufging. Zum Öffnen und Schließen unserer Tür brauchte das Gerät jeweils 30 Sekunden ‒ einfach zu lange. Also stellte ich die Geschwindigkeit schneller ein, aber dann hatte das Gerät wiederum nicht genug Power, um die Tür zu öffnen oder zu schließen. Ich schickte es zurück und habe bisher keinen passenden Ersatz gefunden.

Der Versuch, eine Verbindung herzustellen

Mein zweites Projekt war die Beleuchtung. Da die meisten meiner Lampen verdrahtet sind, entschied ich mich dafür, Mikro-Controller hinter den Wandschaltern einzubauen. Als Heimwerker war ich ja mit einfachen Verkabelungsarbeiten vertraut.  Meine Freunde in Europa würden an dieser Stelle bestimmt einen Elektriker rufen, vielleicht weil die Spannung doppelt so hoch ist wie in den USA (110 Volt). Das würde natürlich die Kosten für das IoT-Projekt in die Höhe schießen lassen.

Aus technischer Sicht sind die Aeotec-Geräte großartig. Sie unterstützen Drei-Wege-Schalter, überwachen den Leistungsverbrauch, ermöglichen Ihnen, weiterhin den Schalter an der Wand zu benutzen, haben einen klaren Schaltplan und die Connector-Qualität ist hervorragend. Erst als ich die Verbindung zu meinem Z-Wave-Gateway-Controller herstellen wollte, traten Probleme auf. Wenn die Geräte nicht ganz nah beieinander standen, funktionierte die Erstverbindung nicht. Über die Hälfte der Geräte konnte ich nicht verbinden, trotz der vielen Stunden, die ich damit verbrachte, Schalttafeln zu entfernen und alles neu zu verkabeln.

Die Überwachungskameras fürs Haus waren bereits angeschlossen und von allen Geräten am einfachsten auf dem VeraEdge-Dashboard anzuzeigen. Nur bei einer Kamera konnte ich das Bild nicht umdrehen, sodass das Dashboard die Aufnahmen immer auf dem Kopf stehend anzeigte. Aber das Bild hatte ich ja immerhin.

Zuhause gibt es keine Privatsphäre

Dann kam das Problem mit dem Netzwerkverkehr – denn davon gab es unerwartet viel. Der Samsung-Fernseher sendete Informationen an einen externen Dienst. Was genau er sendete und warum haben wir noch nicht herausgefunden. Vorerst habe ich ihn einfach an meinem Router blockiert. Ich war auch von der hohen Anzahl an voreingestellten Passwörtern in meinem Gerätenetzwerk überrascht. Mein Zuhause war zu einer kompletten digitalen Autobahn mit einer unfassbaren Menge an Verkehr geworden, selbst wenn niemand zu Hause war. Wie viele Fremde diese Daten empfangen oder auf die Geräte zugreifen können, wissen wir einfach noch nicht.

Nicht Internet, sondern irritierend

Es hat mich über 10 Jahre gekostet, ein stabiles Heimnetzwerk mit allen elektronischen Geräten zu erstellen und ich hätte gedacht, dass das IoT-Konzept diese Entwicklungen schnell nutzen und zum allgemeinen Trend machen kann. Ich lag falsch. Außerdem bin ich schockiert, wie viel Datenverkehr in meinem Heimnetzwerk herrscht. Die Kombination von unbekannten laufenden Diensten, schwachen voreingestellten Zugangskontrollen und der Komplexität der Konfiguration ist einfach beängstigend. Durch die unvollständige und frustrierende Installationserfahrung bin ich eher angefressen als angemessen automatisiert und im Internet.

Eine sichere und vernünftige Verbindung finden

Draußen, im Internet der Dinge, herrschen Verhältnisse wie im Wilden Westen. Ich sehe zwar viele Vorteile beim vernetzten Haus, aber bis es wirklich funktioniert, wird es noch lange dauern. Während sich der IoT-Sektor positioniert, um den Mainstream zu erobern, ziehe ich drei primäre Erkenntnisse aus meiner Erfahrung:

  1. Voraussetzung für ein IoT in den eigenen vier Wänden ist ein Konglomerat an unterschiedlichsten Fähigkeiten. Für die Vernetzung des Zuhauses sind Fähigkeiten erforderlich, die das Beste eines IT-Freaks mit dem Besten eines Heimwerker kombinieren. IoT-Geräte werden nicht einfach eingestöpselt und funktionieren, so wie es üblicherweise dargestellt wird. Das liegt unter anderem an der großen Anzahl an Umgebungsvariablen.
  2. Der Nutzer sollte im Vordergrund stehen, nicht die Technologie. Anbieter müssen sich mehr auf die Benutzerfreundlichkeit und einfache Handhabung konzentrieren als auf die neuesten und modernsten Technologien. Wenn der Anwender das Produkt nicht installieren kann, dann kann er es schon gar nicht nutzen. Er kann sich nur beschweren.
  3. Sicherheit und Privatsphäre werden noch links liegen gelassen. Zurzeit stecken die Faktoren Privatsphäre und Sicherheit bei vielen IoT-Geräten noch in den Kinderschuhen – wenn diese Aspekte nicht sogar ganz außen vor gelassen sind. Und ich glaube auch nicht, dass sich das in naher Zukunft ändern wird.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im „IoT World Magazine‟. veröffentlicht

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