Fly the rant-free, pilot-free skies - pilote, pilota

Ganz ohne Schimpftiraden – und ein Himmel ohne Pilot

Sie brauchen keine Angst vor der psychischen Stabilität Ihres Piloten zu haben – es wird vielleicht in Zukunft einfach gar keine mehr geben. In Großbritannien sind die ersten Testflüge mit unbemannten Passagier-Jets gestartet. Das ist eine gute Sache, da das Fliegen in diesen politisch angespannten Zeiten eher … schwieriger … wird. Sie haben nicht nur das Risiko, dass Ihre Mitpassagiere sich in endlosen Tiraden über Gott und die Welt verstricken – auch Ihr Pilot könnte das interne Kommunikationssystem Ihres Fliegers nutzen, um Ihnen ein Ohr abzukauen.

Genau das ist einigen unglücklichen Passagieren des Flugs 455 der United Airlines passiert. Der Pilot hatte eine Tirade mit persönlichen Kommentaren über Donald Trump, Hillary Clinton und die eigene anstehende Scheidung losgelassen. Und einige der Passagiere hatten sich dann bei einer Zwischenlandung tatsächlich dazu entschieden, das Flugzeug lieber zu verlassen, als mit dem Ersatz-Piloten weiterzufliegen.

Willkommen – im Himmel ohne Pilot

Für all diejenigen, die Fliegen „leicht“ nervös macht, hat BAE Systems – ein Gigant der Luft-/Raumfahrt und Verteidigung – gute Neuigkeiten. Über Großbritannien führen sie gerade Testflüge mit einem unbemannten Jetstream 31 durch. Die Tests sollen herausfinden, wie diese Art von Flugzeugen in den normalen, durch Piloten gesteuerten Luftverkehr integriert werden können. BAEs große Idee dahinter ist natürlich eine Möglichkeit zu finden, wie autonome Flüge Realität werden könnten – während Apple, Uber, Tesla und Delphi sich den Fahrzeugmarkt am Boden teilen.

Könnte es sich dabei um einen positiven Schritt für die Passagiere handeln? Stellen Sie sich nur mal vor, Sie müssten sich nicht mit einem Piloten herumschlagen, der gerade eine mental zerrüttete Phase durchmacht, sich verbal auslässt oder im schlimmsten Fall gar den Flieger in den nächstbesten Berg steuert. Eventuell könnte das autonome Fliegen den Himmel auch zu einem sicheren Platz machen? Alle Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass die meisten anderen Ideen zur Fernsteuerung von Fliegern sich derzeit auf Drohnen beschränken, die vom Militär als Waffe eingesetzt werden sollen. Also vielleicht doch nicht. Wie dem auch sei: BAE prescht nun vor und versucht diese Möglichkeit für den normalen Flugverkehr zu realisieren.

Weitaus mehr als ein Auto mit Flügeln

Der Test mit dem Jetstream 31 von BAE weist einige Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zu den derzeit stattfindenden Tests mit autonomen Krafztfahrzeugen auf. Zuerst die Unterschiede:
Vergessen Sie LIDAR (Light Detection and Ranging devices – Geräte zur Erkennung von Licht und Entfernung), die auf dem Dach eines Fahrzeugs installiert sind. Diese Flugzeuge erhalten ihre Richtungsangaben direkt von Satelliten und einem bordeigenen elektronischem Auge, das Wolken und Wettertypen registriert. Packt man beides zusammen, dann hat man schon Mal die nötigen Mittel, um gefährliche Wetterbedingungen umfliegen zu können. Auch ist der Flieger kein „Einzelgänger“. Das Flugzeug besitzt eine Antenne/Kamera, mit der Transponder-Signale anderer Luftfahrzeuge empfangen werden können und über die auch die eigene Position mitgeteilt wird. Die Gemeinsamkeiten mit autonomen Automobilen liegt darin, dass der Flieger auch mit einem Piloten fliegt, der im Notfall eingreifen und sich die Kontrolle über den Flieger zurückholen kann. Irgendwie doch ein beruhigender Gedanke.

Es ist alles in der Luft

Mit der Kombination aus Satellit-Kamera/Antenne plant BAE derzeit, mit insgesamt 17 Flügen die Möglichkeiten der autonomen Luftfahrt auszutesten. Bisher wurden die ersten Tests in Lufträumen über Schottland durchgeführt, in denen kein Luftverkehr stattfindet. Während der Pilot wie auch der Co-Pilot sich noch um Start und Landung kümmern, fliegt das Flugzeug danach komplett selbstständig. Bisher gibt es noch keine Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen. Und bisher denkt auch noch keiner an den Begriff IoP (Internet of Planes – Internet der Flugzeuge).

„Das Experiment ist großartig und bietet uns technologische Möglichkeiten, die wir in unsere bemannten wie auch unbemannten Luftfahrzeuge integrieren können. Zusätzlich besteht das Potential, dass wir neue, unbemannte Luftfahrzeugtechnologien auf den Markt bringen können“, erklärt Maureen Mccue (Head of Research and Technology für militärische Luftfahrzeuge bei BAE) auf der Webseite des Unternehmens.

Na also! Fühlen Sie sich schon entspannter?

Ich frage mich nur, was passiert, wenn diese durch KI’s gesteuerten, um Kameras erweiterten, mit Satelliten verbundenen Geräte sich über die menschlichen Zweibeiner ärgern, die die Einrichtung des Flugzeuges verschmutzen? Das würde dann eine Schimpftirade epischen Ausmaßes werden! Aber haben Sie keine Angst. Schnallen Sie sich an und treffen Sie Ihre Vorbereitungen zum Start.

 

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie wüssten, dass Ihr Flieger sich selbst steuert? Würden Sie einsteigen? Würden Sie sich wohlfühlen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

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As a PR Consultant and journalist, Frink has covered IT security issues for a number of security software firms, as well as provided reviews and insight on the beer and automotive industries (but usually not at the same time). Otherwise, he’s known for making a great bowl of popcorn and extraordinary messes in a kitchen.