Google verfolgt Sie – auch wenn Sie nein sagen

Google Maps ist eine ziemlich praktische Anwendung, die sich auf sehr vielen Smartphones wiederfindet – ganz egal ob Android oder iPhone. Sie eignet sich nicht nur hervorragend zum Herumstöbern, sondern ist auch ein perfektes Navi, das sogar verstopfte Routen aufzeigt.

Damit das jedoch klappt, muss Google wissen wo man sich gerade befindet. Deswegen bittet die App auch um Erlaubnis die Standortdaten nutzen zu dürfen und sie abzuspeichern. Wer das nicht mag, kann die Funktion ja auch ganz einfach wieder ausschalten. Ähnliches gilt für viele Google-Dienste. Zumindest nahm das bisher so ziemlich jeder an – bis ein Artikel der Associates Press enthüllte, dass ein „nein“ bei Google nicht nein bedeutet.

Datensammelwut ohne Grenzen

Die Ortungsdaten aufzuzeichnen, birgt Risiken für die Privatsphäre. Deswegen stellen viele Menschen sie auch aus. Google bietet dazu extra eine Option im Standortverlauf an. Laut der Seite heißt es: „Sie können den Standortverlauf jederzeit deaktivieren. Wenn Sie den Standortverlauf deaktivieren, werden die von Ihnen besuchten Orte nicht mehr gespeichert.“

Hört sich gut an, richtig? Leider stimmt das nicht ganz. Laut AP News speichert Google alleine schon wenn man die Google Maps-App öffnet Momentaufnahmen des Standorts ab. Ähnlich verhält es sich  bei der Aktualisierung der Wetterdaten und diversen Suchanfragen, die damit eigentlich gar nichts zu tun haben. Auch hier werden Standortdaten abgerufen, weitergeleitet und gespeichert. Auf einer extra dafür bereitgestellten Karte zeigt Associated Press auf, wie viel im Standortverlauf aufgezeichnet wird, selbst wenn man die Option deaktiviert hat.

Mehr als 340 Ortungsdaten täglich hochgeladen

Eine andere Studie geht noch weiter: Laut Professor Douglas C. Schmidt von der Vanderbilt University, teilt ein Android-Smartphone Google innerhalb von 24 Stunden 340x die Ortungsdaten mit. Beim Test lief lediglich der Chrome-Browser im Hintergrund, das Phone wurde aber nicht bewegt. Insgesamt machte das angeblich 35% aller Daten aus, die an Google hochgeladen wurden und die Schmidt analysierte.

Zusätzlich dazu kommuniziert ein untätiges Android-Gerät fast 10x so oft mit Google wie ein Apple-Gerät mit den Apple-Servern. Schauen Sie sich am besten die ganze 55-seitige Studie an um herauszufinden, was Google noch so alles sammelt.

Googles Reaktion: Textänderungen

Wer sich jetzt gedacht hat, dass Google darauf reagiert und es den Nutzern einfacher macht die Privatsphäre zu wahren, liegt falsch. Als einzige Reaktion des Tech-Riesen folgte eine leichte Anpassung des Textes im Dashboard. Dort steht nun, dass Google die Ortungsdaten selbst dann speichert, wenn die Funktion ausgestellt ist.

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer: In den USA hat eine Person aufgrund des Artikels der Associated Press bereits eine Klage eingereicht. Zusätzlich dazu hat das Electronic Privacy Information Center einen Brief an die US-Aufsichtsbehörde FTC geschrieben. Dieser weist darauf hin, dass Google aus der Sicht von EPIC die Datenschutzauflagen aus dem Jahr 2011 verletzt. Sollte eins oder beide Gesuche Erfolg haben, könnte das ungeahnte Auswirkungen auf den Datenschutz in Google-Apps haben.

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Englisch

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