Google und Facebook – wirklich DSGVO-konform?

Das neue DSGVO ist nun seit mehr oder weniger einem Monat draußen, und die meisten Online-Geschäfte haben seitdem entweder ihre Seiten entsprechend angepasst, sie panisch geschlossen oder verbieten Europäern den Zugriff. Nutzer werden nach wie vor mit Popups behelligt, die sie über ihre Rechte aufklären und aufzeigen, wofür Cookies und andere Informationen genutzt werden. Während das mitunter nervig sein kann, gibt es den Anwendern doch einen gewissen Grad an Kontrolle über ihre Daten zurück. Zumindest in der Theorie.

Denn vor allem Google und Facebook, nehmen laut dem Norwegian Consumer Councel die DSGVO aber anscheinend nicht so ernst, wie sie es sollten. Ganz im Gegenteil: In einem 44 Seiten umfassenden Report wird aufgezeigt, wie Google und Facebook die Nutzer dazu manipulieren, ihre persönlichen Daten zu teilen.

Der Report startet mit den Worten „Wir analysierten einige der Einstellungen von Facebook, Google und Windows 10 und zeigen verschiedene Muster sowie Techniken und Funktionen in der Benutzeroberfläche auf, die dazu dienen die Anwender zu manipulieren und sie dazu drängen Optionen zu nutzen, die in ihre Privatsphäre eindringen.“

Facebook und Google leiten die Nutzer mit Popus und Sprachfeinheiten dazu an, auf ihre Privatsphäre zu verzichten. Fällt man nicht darauf rein, muss man dennoch ewig suchen, bis man die Einstellungen zum Datenschutz findet.

Noch schlimmer: Letzten Endes wird sogar mit dem Verlust bestimmter Funktionen oder der Löschung des Accounts gedroht, sollte die falsche Auswahl getroffen werden. Dazu haben sich Google und Facebook einiges einfallen lassen:

Dank dieser Taktiken treffen Sie unangenehme Entscheidungen

  • Die versteckten Optionen: Facebooks DSGVO-Popup, dass die Einstellung „Werbung, die auf Daten von Drittanbietern basiert“ automatisch auf „Ein“ stellt, wenn man lediglich „Annehmen und fortfahren“ drückt anstatt sich näher mit den Optionen zu beschäftigen. Google nutzt hierbei ähnliche Praktiken: Viele Einstellungen bekommt der Nutzer gar nicht zu sehen, wenn er sich dazu entschließt auf „Annehmen“ zu drücken – man weiß also gar nicht so genau, was für Daten jetzt geteilt werden und was nicht.

    Bild: Norwegian Consumer Councel
  • Die AGB-Drohung: Facebooks Gängelung der Nutzer hinsichtlich ihrer aktualisierten AGBs: Wenn man Sie nicht annimmt, bleibt als einzige Lösung die angeboten wird, die Löschung des Accounts.

    Bild: Norwegian Consumer Councel
  • Die Funktionsreduzierungs-Lüge: Facebooks und Googles erzeugte Hast, den Nutzer zum Beenden des DSGVO-Prozesses zu drängen. Laut dem NCC „erwecken die angezeigten Popups den Eindruck, als könne man Facebook nicht mehr länger nutzen, bis man den Prozess beendet hat. Das ist allerdings nicht der Fall.“ Selbiges gilt auch für Google.

    Bild: Norwegian Consumer Councel

Was man tun kann

Wenn Sie sich um Ihre Privatsphäre sorgen, sollten Sie sich immer alle angebotenen Einstellungen genau ansehen, egal wie schwer sie zu finden sind oder wie nervig Ihnen der Vorgang erscheinen mag. Lassen Sie sich nicht von klugen Phrasen, die Ihnen eine phantastische angepasste Online-Erfahrung versprechen, einlullen. Lesen Sie genau was Ihnen vorgeschlagen wird und treffen Sie nur Entscheidungen, die Sie in Bezug auf Ihre Privatsphäre auch wirklich vertreten können.

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Englisch

PR & Social Media Manager @ Avira |Gamer. Geek. Tech addict.