Frage der Woche: Überwacht mich Alexa wirklich?

Frage: „Ich war letztens bei einem Freund der einen smarten Lautsprecher von Amazon in der Küche stehen hatte. Ist schon nicht schlecht, was so ein smarter Lautsprecher alles kann. Ich habe aber Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Würde mich Alexa tatsächlich permanent abhören?“

Antwort: Smarte Lautsprecher sind wirklich praktisch: Einfach nach wichtigen Dingen wie Wetter, Verkehr oder Börsenkursen fragen und schon ertönt die passende Antwort. Die Schattenseiten der „intelligenten“ Büchsen interessieren aber immer mehr Menschen. Sind Alexa, Siri und Google Home wirklich nur hilfsbereite Assistenten, oder in erster Linie fleißige Schnüffler?

Vieles bleibt im Dunkeln

Zunächst einmal gibt es keine stichhaltigen Beweise, dass die smarten Lautsprecher von Google und Amazon uns permanent überwachen. Tests zeigten, dass tatsächlich nur Daten an die Server übertragen werden, nachdem das Codewort gefallen ist. Aber: Die Übertragung erfolgt verschlüsselt. Was genau für Daten fließen, wissen nur Amazon und Google. Kein Geheimnis ist, dass smarte Lautsprecher massig Informationen über ihre Besitzer sammeln. Sämtliche Sprachbefehle werden zum Beispiel gespeichert. Daraus lassen sich schon eine Menge Rückschlüsse ziehen. Zum Beispiel, wie viele Personen im Haushalt wohnen, wie alt diese sind, wann diese zu Hause sind und welche Inhalte diese bevorzugen. Was genau passiert, bleibt im Dunkeln. Die Datenschutzerklärungen leisten auf jeden Fall auch keinen Beitrag zu Aufklärung.  Das die Hersteller schnüffeln, ist aber mehr als wahrscheinlich. Schließlich sammeln die sammeln die Internetgiganten seit Jahrzehnten tonnenweise Daten, um ihre Server mit Informationen rund um persönliche Interessen, Meinungen, Bewegungen, Lebensumstände und mehr zu füllen. Mit den smarten Geräten schließen die Wissenslücken immer mehr.

Noch mehr Überwachung

Wie die Hersteller ticken, verrät zum Beispiel ein bemerkenswerter Patentantrag, den Amazon kürzlich eingereicht hat. So soll Alexa bald erkennen können, ob der Nutzer heiser ist oder hustet und anschließend passende Medikamente vorschlagen. Im weiteren Verlauf soll die Technik zudem die emotionale Verfassung und selbst den ethnischen Hintergrund erfassen. Ein heikles Thema. Was passiert etwa, wenn die US-Regierung von Amazon verlangt, alle Adressen arabisch sprechender Nutzer herauszurücken? Oder Alexa in der Lage ist chronische Krankheiten zu erkennen und diese Infos an Versicherungen zu verkaufen? Darüber hinaus tüfteln Amazon & Co bereits an der nächsten Generation smarter Assistenten. Die sollen künftig nicht nur zuhören, sondern auch zusehen – eingebaute Kameras machen’s möglich.

Fazit

Unterm Strich verkaufen Google und Amazon ihre smarten Lautsprecher definitiv nicht nur, um den Komfort der Käufer zu steigern. Die Lieferung privater Informationen ist bereits eingepreist. Damit können die Hersteller ihre Kunden noch besser „kennenlernen“ um maßgeschneiderte Angebote machen zu können. Das ist aber nur das optimistischste Szenario. Ob man das will, muss jeder selbst entscheiden.