Faltbare Smartphones: Der aktuelle Stand

Faltbare Handys sind der neue Trend auf dem Smartphone-Markt (abgesehen natürlich von 5G-Telefonen, obwohl sich die beiden Technologien teilweise auch überschneiden). So verwundert es wenig, dass bereits einige Modelle für den Verkauf angekündigt sind oder in Kürze in die Läden kommen werden. Weitere Telefone werden vermutlich nach dem Sommer folgen. Das erste Modell weltweit war das Royole FlexPai, das aber in vielerlei Hinsicht noch nicht ausgereift war und daher von Samsung und Huawei in einigen Punkten korrigiert worden ist. Die Technologie ist neu und bietet mit Sicherheit interessante Möglichkeiten in Sachen Form, Design und Kreativität, die im Smartphone-Universum bislang nicht bekannt waren. Die Ära der faltbaren Smartphones ist bereits angebrochen und wird unser Leben in nicht allzu ferner Zukunft revolutionieren. Werfen wir nun einen Blick auf die einzelnen Hersteller mit den besten Technologien und interessantesten Geräten.

Samsung Galaxy Fold

Wir hatten uns bei der Präsentation gemeinsam mit dem Galaxy S10 am 20. Februar sofort in das Samsung Galaxy Fold verliebt, mussten uns jedoch bis zum 15. April gedulden, bis der südkoreanische Hersteller der Presse gestattete, Hand an das Gerät zu legen. Die ersten Eindrücke waren gut. Allerdings veranlasste eine Reihe von Problemen, die durch unsachgemäße Verwendung (z. B. Entfernen der Schutzfolie vom Display) verursacht wurden, Samsung dazu, sich das Gerät nochmals vorzunehmen und die Markteinführung um einen Monat – von Anfang Mai auf Juni – zu verschieben. Das Fold ist riesig, schwer und richtig teuer, aber es funktioniert. Die Benutzeroberfläche läuft flüssig, das Multitasking ist exzellent und das Faltdisplay mit 7,3 Zoll ist schlichtweg fantastisch. Das Gerät verfügt über drei Displays: ein HD+ Super AMOLED-Außendisplay mit 4,6 Zoll und zwei Innendisplays, die zusammen ein faltbares AMOLED QHD+-Display mit insgesamt 7,3 Zoll bilden. Damit können gleichzeitig bis zu drei Apps verwendet werden. Das Gerät ist mit einem 4.380 mAh starken Akku, 12 GB RAM, 512 GB internem Speicher und einem leistungsstarken Snapdragon 855-Chipsatz ausgestattet. Und die Kameras? Das Galaxy Fold hat gleich sechs davon: ein Objektiv mit 16 MP und zwei Objektive mit 12 MP auf der Rückseite; eine Frontkamera mit 10 MP und eine Doppelkamera mit 10 MP und 8 MP auf der faltbaren Innenseite. Kostenpunkt: 2.050 Euro.

Huawei Mate X

Das Huawei Mate X verfügt über ein etwas anderes Design als das Galaxy Fold, da sich das Faltdisplay außen, und nicht innen befindet. Das Display ist insgesamt 8 Zoll groß; das vordere Display bietet 6,6 Zoll, das Display auf der Rückseite 6,4 Zoll. Das Display läuft außen um das Smartphone herum und verleiht dem Gerät eine außergewöhnliche Optik. Der Nachteil ist, dass das Gerät im entfalteten Zustand besonders anfällig für Kratzer und Fallschäden ist. Das Mate X ist mit einem 4.500 mAh starken Akku mit Schnellladefunktion, drei Kameras, einem Kirin 980-Chipsatz, 8 GB RAM und 512 GB internem Speicher ausgestattet und unterstützt 5G. Kostenpunkt: 2.299 Euro. Damit kostet das Gerät mehr als das Galaxy Fold, auch wenn zu erwarten ist, dass der Preis infolge der Markteinführung weiterer faltbarer Geräte des chinesischen Herstellers künftig fallen wird.

Motorola Razr V4

Was sich zuerst wie ein Hoax liest, ist offenbar wahr: Motorola plant tatsächlich, der Razr-Serie zu einem faltbaren Comeback zu verhelfen. Bislang ist noch wenig darüber bekannt, aber das bewährte Design des Klapphandys mit der typischen Aufklappbewegung soll beibehalten werden. Das Gerät soll über ein Außendisplay und zwei Innendisplays verfügen, die durch ein flexibles OLED-Display miteinander verbunden sind. Offenbar sollte das Telefon bereits im Februar auf den Markt kommen; dies war jedoch nicht der Fall. Während einer Pressekonferenz am Rande des MWC sagte der Vice President und Generaldirektor von Motorola, Antony Barounas, Folgendes: „Wenn ich durch die Läden gehe, dann sehen für mich alle Telefone gleich aus. Man erkennt nur schwer, ob es sich um ein Motorola oder um eine andere Marke handelt. Wie schaffen wir es also, uns in den Augen der Verbraucher von der Masse abzuheben? Des Rätsels Lösung ist, etwas grundlegend Neues anzubieten, und hier kommen die faltbaren Geräte ins Spiel.“ Wir dürfen gespannt sein.

LG

Die jüngsten Nachrichten über ein faltbares Smartphone von LG stammen von Kyle Yoon, Product Manager bei LG Mobile, der während eines Briefings Folgendes sagte: „Was faltbare Smartphones betrifft, so wird der Tag kommen, an dem wir alle ein solches Gerät besitzen werden. Aber nur, wenn es native Auflösung, attraktive Preise und 5G gibt, wird sich diese Sparte auch behaupten können. Wir konzentrieren uns zuvor auf diese Aspekte, und ja, auch wir werden faltbare Geräte anbieten.“ Es gab bereits Gerüchte über ein faltbares Gerät des koreanischen Herstellers, auch weil das Unternehmen den weltweit ersten zusammenrollbaren Fernseher auf den Markt gebracht hatte und bereits über die Technologie verfügt. Bestätigt ist bislang noch nichts und LG scheint es auch nicht besonders eilig zu haben. Ein Grund dafür mag sein, dass LG mit dem Dual Screen ein Gerät anbietet, das an das LG V50 ThinQ angeschlossen werden kann und damit ein zweites 6,2-Zoll-Display bietet. Trotzdem scheint diese Lösung eher aus der Vergangenheit, als aus der Zukunft zu kommen.

Werden wir ein iPhone Flex erleben?

Obwohl man es bei Apple derzeit wohl nicht so eilig hat wie bei den anderen Herstellern, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass man auch bei Apple an der Entwicklung eines faltbaren iPhones arbeitet. Bereits Ende 2017 gab es Gerüchte darüber, dass möglicherweise 2020 ein iPhone Flex auf den Markt kommen soll. Die Zeit ist reif, der Vertrieb steht in den Startlöchern und verschiedene Patente wurden bereits angemeldet. Selbstverständlich spielt Apple mit der Idee, aber der Bereich ist noch zu neu und man möchte falsche Schritte vermeiden. Wenn sich faltbare Smartphones als praktisch und – zumindest teilweise – als erfolgreich erweisen, dann wird auch für das iPhone der richtige Moment gekommen sein.

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