Breakthrough for mobile payments? Google Pay launches in Germany

So sicher und komfortabel ist Google Pay in Deutschland

Mitte Juni ist Google Pay in Deutschland gestartet und damit ein weiterer Hoffnungsträger mobiler Bezahllösungen. Google Pay, so hofft die Branche, bringt endlich den Durchbruch bei Mobile Payments. Seit vielen Jahren haben bereits eine Vielzahl von Glücksrittern versucht, bezahlen mit dem Smartphone salonfähig zu machen. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Jetzt ist mit Google der erste große internationale Tech-Gigant mit seinem Bezahlverfahren in Deutschland angetreten, um die Geldbörse obsolet zu machen.

Deutschland ist das 19. Land, in dem ab jetzt Google Pay gezahlt werden kann. Allerdings nur auf Smartphones mit Android Betriebssystem und NFC (Near Field Communication) -Chip. Vorausgesetzt man hat eine Visa oder Mastercard bei der CommerzbankComdirectN26 oder Wirecads Boon. Zumindest letzteres lässt sich als Prepaid-Kreditkarte ohne aufwändiges Ident-Verfahren (KYC-Prozess) anlegen. Die großen Filialbanken wie beispielsweise die Sparkasse oder Volksbank wollen Google Pay nicht unterstützen und stattdessen im Herbst eigene Lösungen präsentieren. Geplant, Google Pay zu unterstützen, haben außerdem die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank) und Revolut.

Neben der noch recht kleinen Anzahl von Banken, welche ihren Kunden überhaupt die Möglichkeit bieten Google Pay in Deutschland zu nutzen, dürfte sich das Interesse ohnehin in Grenzen halten. Deutschland gilt noch immer als Bargeldland. So wurden laut der Bundesbank im letzten Jahr noch 74% aller Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt. Der Bargeldanteil am Umsatz ist zwar 2017 zum ersten Mal auf unter 50% gefallen, aber mit 48% noch immer sehr hoch. In einem Land, in dem zwar fast Dreiviertel der Bevölkerung eine Kreditkarte besitzt, aber nur 5% diese auch nutzt, dürfte es selbst bei Google Pay nicht zu dem gewünschten Durchbruch kommen. Und das, obwohl der Onboarding-Prozess für den Konsumenten bei Google Pay denkbar einfach ist.

Foto: dpa-tmn

Die Einstiegshürden sind gering, aber…

Um Google Pay zu nutzen, muss zunächst die Google Pay-App aus dem Play Store heruntergeladen werden. Nach dem Download und dem Start geht es in die Einrichtung. Selbige ist schnell erledigt. Um Google Pay nutzen zu können, muss nur die Kredit- oder Debitkartennummer, Gültigkeit und Prüfziffer der Karte sowie die Anschrift und Telefonnummer hinterlegt werden. Sofern die Kreditkarte von einer der teilnehmenden Banken herausgegeben wurde, kann man Google Pay sofort nutzen, um mobil damit am POS (Point of Sale) zu bezahlen. Alle anderen Karten können mit Google Pay nur im E-Commerce genutzt werden. Bei einer Zahlung wird eine virtuelle Kartennummer, in Form eines Tokens an das Terminal übertragen und nicht etwa die echten Kreditkartendaten. Auf der Händlerseite braucht es ein NFC-fähiges Kartenterminal und die Akzeptanz von Kreditkarten, damit Google Pay grundsätzlich am POS funktioniert. In Deutschland sind rund 475.000 Terminals mit NFC ausgestattet. Leider ist noch nicht jedes NFC-fähige Terminal in Deutschland automatisch mit Google Pay kompatibel. Es kann vorkommen, das Terminals nicht funktionieren, obwohl kontaktloses Bezahlen grundsätzlich möglich war.

Der Grund liegt in der Konfiguration der Terminals. Diese müssen die sogenannte CDCVM (Consumer Device Cardholder Verification Method) unterstützen. Im EMV-Standard (Europay International, MasterCard und VISA) gibt es unterschiedliche Verifikationsmethoden, die sogenannten CVMs (Cardholder Verification Method). Bei kontaktlosen Zahlungen kommt bei Kleinstbeträgen das sogenannte no-CVM zum Einsatz. Diese Methode ermöglicht es dem Kunden, einfach nur zu tappen, um zu bezahlen. Die Eingabe einer PIN ist erst ab einem Betrag von meistens 30 Euro erforderlich. Da Google Pay die Authentifizierung, z.B. in Form des Fingerabdrucks, übernimmt, kommt CDCVM zum Einsatz. Das Smartphone übernimmt die Authentifizierung und nicht das Terminal. Dafür fällt dann auch das Betragslimit weg, da am Smartphone immer authentifiziert wird. Damit das auch in der Praxis funktioniert, müssen die Kartenerminals entsprechend konfiguriert werden und CDCVM unterstützen.

Sicherheit und Datenschutz

Google Pay ist sicher. Das sagt zumindest Google. So werden die Kartendetails bei Google Pay nicht auf dem Smartphone, sondern verschlüsselt auf den Servern von Google gespeichert. Laut Google kann niemand, der das Gerät findet oder stiehlt, auf diese Informationen zugreifen. Beim Thema Datenschutz erklärt Google, dass die Daten nur verwendet werden, um die Kundenzufriedenheit von Google Pay zu optimieren. Die zugrundeliegende Technik, also kontaktloses Bezahlen über NFC, kann man inzwischen fernab von mobile Payments auch mit fast jeder normalen Kreditkarte oder Girocard und diese gilt als sicher.

Fazit

Der Start von Google Pay ist für sich alleine betrachtet aktuell ein Strohfeuer. Trotzdem ist es ein wichtiger Schritt bei der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Und diese Digitalisierung ist es, um die es gehen sollte. Deshalb macht eine Unterscheidung zwischen Mobile Payments oder Payments im E-Commerce keinen Sinn. Am Ende geht es immer um den Bezahlvorgang. Und dieser ist nur Mittel zum Zweck. Konsumenten wollen einkaufen und sich nicht Gedanken um den Zahlvorgang machen müssen. Das beste Bezahlverfahren ist eines, welches unsichtbar im Hintergrund werkelt. Auf diesem Weg werden wir noch viele verschiedene Konzepte im Zahlungsverkehr sehen. Mobile Payments ist eines davon, Payments via Bitcoins ein anderes – aber die Reise geht weiter.

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