Drei populäre Irrtümer rund um den Privatmodus

Die Privatmodi der großen Browser schützen Ihre Privatsphäre im Internet? Falsch. Die Technik dahinter funktioniert anders, als viele denken.

Manchmal ist es gut, unerkannt zu bleiben. Deshalb bieten aller großen Browser einen privaten Modus. Dann hinterlassen Sie weniger Spuren beim Surfen. Das ist richtig. Die Bezeichnungen „Inkognito-Modus“ bei Google Chrome und „InPrivate-Modus“ bei Mozilla Firefox und Microsoft Edge suggerieren allerdings, dass Sie in diesen Modi auch anonym sowie sicherer im Internet surfen und die besuchten Internetseiten, genau wie Datenkraken à la Facebook und Google keine persönlichen Daten abgreifen können. Das ist aber so nicht richtig.

Irrtum 1: Der Privatmodus macht das Surfen sicherer

Falsch: In diesen Modi werden nur besuchte Seiten, Formular- und andere Daten nach der Surfsession nicht lokal auf dem Computer gespeichert. Daraus schließen viele Anwender, dass sie dadurch auch vor Internet-Gefahren wie Schädlingen schützen, Privates Surfen verhindert aber lediglich, dass eine andere Person am selben Rechner die Internet-Aktivitäten nicht mit wenigen Klicks nachvollziehen kann. Das ist beispielsweise hilfreich, wenn Sie nach einem Geschenk suchen, der Beschenkte, der den gleichen Computer nutzt, davon aber nichts erfahren soll, etwa, wenn er im Verlauf schaut oder verdächtige Suchbegriffe aufpoppen. Gegen Malware, Phishing und Spionage schützen die Privatmodi aber nicht.

Privatmodus: Von wegen „privat surfen“: Der Inkognitomodus von Chrome verhindert nicht, dass Nutzer im Web unerkannt bleiben.
Von wegen „privat surfen“: Der Inkognitomodus von Chrome verhindert nicht, dass Nutzer im Web unerkannt bleiben.

Irrtum 2: Wenn ich keine persönlichen Daten angebe, bleibe ich sowieso unerkannt

Nein. Selbst, wenn Sie auf die Eingabe persönlicher Daten verzichten und sich bei keinem Dienst wie Google oder Facebook anmelden, bleiben Sie nicht unerkannt. Denn fast jeder Seitenbetreiber wertet aus, worauf seine Besucher klicken. Durch die IP-Adresse erfahren Seitenbetreiber etwa den ungefähren Wohnort und die Internetbandbreite. Überdies lassen sich mit der IP-Adresse über den Internetanbieter sogar die Klicks einem bestimmten Gerät zuordnen. Cookies und Web-Wanzen spionieren Sie ebenfalls aus, falls Sie das nicht extra abstellen. Vor allem die Web-Wanzen (englisch „Tracker“) durchleuchten Sie bis auf die Knochen und verfolgen Nutzer über mehrere Internetseiten. Tausende dieser digitalen Schnüffler sind im Web unterwegs und liefern fleißig Informationen an Datensammler.

Irrtum 3: Mit aktiviertem Privatmodus bin ich im Web anonym unterwegs

Negativ. Verwischen Sie nicht regelmäßig Ihre Surfspuren, können Internet-Dienste und Seitenbetreiber einfach nachvollziehen, welche Seiten Sie aufgerufen, was Sie angeklickt und was Sie eingekauft haben. So entstehen im Laufe der Zeit detaillierte Benutzerprofile, samt Geschlecht, Alter, Hobbys, Krankheiten, politische Meinung und womöglich sogar sexuelle Vorlieben. Privatmodi helfen dagegen kaum. Denn sie verhindern nicht, dass die besuchten Internetseiten, Suchmaschinen und Online-Diensten Informationen über Sie auf ihren Servern speichern.

Lösung: Setzen Sie ein VPN ein. Virtuelle Private Netzwerke verschlüsseln und anonymisieren Ihre Daten im Internet. Selbst der Internet-Anbieter weiß dann nicht, was der Nutzer im Internet treibt. VPN-Anbieter verschlüsseln die Daten ihrer Kunden und leiten diese durch eine Reihe von sogenannten Tunneln durchs Internet. Zu einem guten VPN-Anbieter gehört, dass er keine persönlichen Daten und Informationen seiner Nutzer speichert. Denn ansonsten wüsste er Bescheid, welche Seiten die Nutzer besuchen und welche Daten fließen. Zudem wäre es möglich, die gesammelten Daten gewinnbringend zu verkaufen. Gute Anbieter wie der Avira Phantom VPN versprechen das nicht zu tun. Wichtig: Die durch VPNs ermöglichte Anonymität währt allerdings nur dann, wenn Sie selbst keine Informationen preisgeben, also sich bei sozialen Netzwerken anmelden oder in einem Online-Shop mit Namen und Adresse vorstellen.

Fazit

Der „Privatmodus“ sorgen lediglich dafür, dass Ihr Computer lokal keine Hinweise über Ihre Internetaktivitäten speichert. Sie verhindern allerdings nicht das Sammeln von Informationen besuchter Internetseiten, Suchmaschinen und Online-Diensten.