PUA

Die Stimme eines Anwenders – Warum PUA eine irreführende Bezeichnung ist

In ganz schweren Fällen werden nicht nur weitere Programme installiert, sondern auch etliche Einstellungen am Computer verändert, wodurch sich dieser dann vollkommen anders verhält. Im schlimmsten Fall führt das sogar dazu, dass ein Computer nicht mehr richtig nutzbar ist und neu aufgesetzt werden muss.

Das Thema PUA macht die Probleme von kostenloser Software besonders deutlich. Kaufe ich als Anwender eine Software, dann erwarte ich, dass ich genau diese Software bekomme. Nicht mehr und nicht weniger. Letztendlich bezahle ich für die Leistung der Softwareentwicklung.

Lade ich eine kostenlose Software aus dem Internet hinunter, wird es kompliziert, denn auch in dieser Software steckt Entwicklungsleistung und wenn die Software gut und aktuell ist, wird sie von jemandem gepflegt und immer wieder optimiert und verbessert. Dieser „Jemand“ möchte oder kann das nur selten ohne Gegenleistung tun und wenn die Software kostenlos verteilt wird, dann muss dieser „Jemand“ das Geld irgendwie anders verdienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Entwickler eine Einzelperson oder eine Firma ist. Ein möglicher Weg, für die Entwicklungsleistung bezahlt zu werden, ist der folgende: Gemeinsam mit der eigentlichen Anwendung werden zusätzliche Anwendungen installiert und die Hersteller dieser zusätzlichen Anwendungen bezahlen dafür, dass auch ihre Software auf den PCs der Anwender landet.

Das Thema PUA macht die Probleme von kostenloser Software besonders deutlich.

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Wer hat außerdem noch Interesse daran, dass Software im Paket mit anderer Software mitinstalliert wird? Downloadportalen, also den Orten im Internet, von denen Anwender Software herunterladen, ist ebenfalls daran gelegen. Diese Portale bieten nämlich einen kostenlosen Service (Präsentation und Bereitstellung von Software) für die Anwender, der irgendwie finanziert werden muss. Auch hier ist die Bereitschaft mancher Softwarehersteller, für die Verbreitung ihrer Software zu bezahlen, eine mögliche Einnahmequelle für die Betreiber der Downloadportale. Der Anwender lädt das Programm A aus dem Internet herunter und installiert es. Gleichzeitig werden die Programme B und C automatisch mitinstalliert. Die Hersteller der Programme B und C bezahlen dafür und so wird ihre Software weiterverbreitet, obwohl der Anwender nach den Programmen B und C gar nicht gesucht hatte. Für Softwarehersteller und Downloadportale mögen dies aus finanzieller Sicht gute Gründe sein, weitere Anwendungen mit der eigentlich gesuchten Anwendung zu verknüpfen und diese gemeinsam zu installieren. Aber wie geht es der anderen Seite, dem Anwender, dabei?

Bernd hat sich einen neuen PC gekauft. Er kennt sich ein wenig mit Computern aus, aber er ist bei Weitem kein Experte. Nach kurzer Zeit hat er seinen PC so eingerichtet, wie er es von seinem alten PC kennt. Bernd filmt für sein Leben gerne und sucht eine Software, mit der er kleine Filme nachbearbeiten kann. Nach einigem Suchen findet er eine solche Software in einem Downloadportal und diese Software ist sogar kostenlos! Bernd installiert diese Software. Warum er sich nach dem Download durch diverse Fenster klicken muss, versteht er nicht. Eigentlich erwartet er, dass sich die Software einfach und schnell installiert. Aber der Hersteller hat ja bestimmt den einfachsten Weg vorgegeben und so klickt Bernd mehrmals auf „Weiter“, um die Software so schnell wie möglich testen zu können. Während die Installation noch läuft, füllt sich der Desktop langsam aber sicher mit immer mehr Icons. „Warum braucht eine Anwendung so viele Icons?“, fragt sich Bernd. Immer wieder bekommt er weitere Fenster angezeigt, auf denen er etwas bestätigen muss. Es kommt ihm zwar komisch vor, aber der Anbieter der Software wird schon wissen, warum das gemacht werden muss. Nach 20 Minuten ist die Installation endlich abgeschlossen. Auf dem Desktop befinden sich neben dem Icon für die Filmbearbeitungs-Software noch sieben weitere Icons, die ganz offenbar von Software stammen, die Bernd gar nicht haben wollte. Als Bernd seinen Internetbrowser öffnet, erkennt er diesen fast nicht wieder. Seine gewohnte Suche ist verschwunden, er bekommt neue Symbolleisten angezeigt und irgendwie sieht alles ganz anders aus. Seine vor einer Stunde noch fast nagelneue Windowsinstallation ist nicht mehr brauchbar. Ihm bleibt nur eine Lösung: seinen Sohn anrufen und ihn um Hilfe bitten.
„Da hast du dir aber einiges eingefangen“, sagt der nur trocken nach einer kurzen Inspektion des Computers. „Alles PUA“.
„PUA?“, fragt Bernd. „Was ist das denn?“
„Potentiell unerwünschte Software“, sagt sein Sohn. „Programme, die du eigentlich gar nicht haben wolltest“.
„Was heißt hier ‚potentiell‘ unerwünschte Software?“, antwortet Bernd. „Das ist unerwünschte Software!“

Als Anwender möchte ich wissen, was ich bekomme, und nicht mit diversen Tricks und Kniffen Dinge angedreht bekommen.

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Vor vielen Jahren wurde das Prinzip WYSIWYG (what you see is what you get) „erfunden“. Dieses besagt: Das, was ich als Anwender sehe, ist das, was ich bekomme. Der Begriff wurde zwar in einem anderen Kontext eingeführt, aber er passt zur aktuellen PUA-Diskussion eigentlich ganz gut. Ich als Anwender möchte wissen, was ich bekomme, und nicht mit diversen Tricks und Kniffen Dinge angedreht bekommen, die ich gar nicht will und noch weniger benötige. Die zusätzliche Software ist nicht potentiell unerwünscht, sondern sie ist unerwünscht, solange ich als Anwender nicht explizit zugestimmt habe, dass ich sie haben möchte.

 

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Englisch

Avira ist mit rund 100 Millionen Kunden und 500 Mitarbeitern ein weltweit führender Anbieter selbst entwickelter Sicherheitslösungen für den professionellen und privaten Einsatz. Das Unternehmen gehört mit mehr als 25-jähriger Erfahrung zu den Pionieren in diesem Bereich.