Die neue Verschlüsselung: What’s up, WhatsApp?

Die WhatsApp-Verschlüsselung schützt die von den Benutzern versendeten Nachrichten, Fotos und Videos sowie über den Dienst getätigte Anrufe. Die Dateien des Senders werden verschlüsselt und können nur vom Empfänger entschlüsselt werden. So bleiben die Inhalte vor Hackern und Behörden und sogar vor WhatsApp selbst verborgen. Das könnte zu einer noch kniffligeren Angelegenheit werden als der Streit zwischen Apple und dem FBI, bei dem die Sicherheitsbehörde das Unternehmen gerichtlich zur Herausgabe eines Codes zwingen wollte, um das iPhone eines Amokschützen zu entschlüsseln.

whatsapp encryptionDer Instant-Messaging-Dienst WhatsApp wurde von Facebook aufgekauft und verzeichnet über eine Milliarde Benutzer. Facebook ist derzeit das einzige in sich geschlossene Kommunikationsnetzwerk mit einer noch größeren Benutzerzahl. Als die Gründer von WhatsApp, Brian Acton und Jan Koum, in der ersten Aprilwoche 2016 beschlossen, jegliche Kommunikation über den Dienst mit einer End-To-End-Verschlüsselung zu versehen, trafen sie die bislang umfassendste Datenschutzmaßnahme dieser Art.

Was geschieht bei der WhatsApp-Verschlüsselung?

Wenn eine Gruppe von Benutzern die neueste Version von WhatsApp verwendet, verschlüsselt der Dienst alle Nachrichten, Fotos, Videos und Anrufe, die zwischen ihnen versendet bzw. getätigt werden. Das gilt für alle Telefone, auf denen die App ausgeführt wird, vom iPhone über Android- und Windows-Telefone bis hin zum guten alten Nokia-Telefon. Wie oben erwähnt, können nicht einmal Mitarbeiter von WhatsApp selbst die Daten lesen, die über das Netzwerk übertragen werden. Mit anderen Worten: WhatsApp wird nicht durch einen Gerichtsbeschluss in Zugzwang geraten, wie es im Streit zwischen dem FBI und Apple der Fall war. Doch die Auswirkungen sind noch viel weitreichender, da es um über eine Milliarde Benutzer geht.

Auch wenn sie es nicht öffentlich kundtun, sind das FBI und das Justizministerium besorgt, dass WhatsApp sich zum bevorzugten Kommunikationsmittel von Kriminellen und Terroristen entwickeln könnte. Ende 2014 verschlüsselte das Unternehmen einen Teil seines Netzwerks. In den folgenden Monaten wurde der Dienst offenbar zur Ausführung mehrerer Straftaten genutzt, darunter die Terrorangriffe auf Paris im vergangenen Jahr.

Die Ermittlungsbehörden erwägen derzeit, Abhörmaßnahmen anzuordnen, doch die Gründer von WhatsApp machen sich deswegen keine Sorgen. Sie sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass die Privatsphäre im Internet vor jeder Art der Überwachung geschützt werden muss. Dadurch soll Missbrauch durch Regierungs- und Polizeibehörden vorgebeugt werden. WhatsApp hat bei der Verschlüsselung keine Umgehungsmöglichkeit offen gelassen.

In Zeiten, in denen Datenskandale und die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung durch Regierungsstellen an der Tagesordnung sind, soll diese Entscheidung von WhatsApp ganz klar ausgewogenere Verhältnisse schaffen. Über eine Milliarde Benutzer werden nicht länger bespitzelt ‒ doch das könnte uns teuer zu stehen kommen.

Wie teuer? Das bleibt abzuwarten.

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