Der einfachste Weg, um an sensible Daten zu gelangen: Der Mittelplatz im Flugzeug

Wenn ich dann Berichte über Datensicherheit und über den Schutz persönlicher Daten lese, gehen mir immer zwei Gedanken durch den Kopf: Einerseits die Verantwortung derer, die unsere Daten sammeln und speichern, und andererseits unser aller Aufgabe, verantwortungsvoll mit unseren eigenen Daten umzugehen.
Beginnen wir mit dem ersten Gedanken:

Jeder, der Daten Anderer speichert, muss sicherstellen, dass diese Daten gegen fremden Zugriff geschützt sind und dass derjenige, dem die Daten gehören, weiß, was mit ihnen geschieht. Im Klartext: Warum und für welchen Zweck werden die Daten gespeichert und verwendet? Gegen viele der oben genannten Gefahren gibt es technische Gegenmaßnahmen. Firmen können Server, Netzwerke und Daten zuverlässig schützen. Dabei wird es niemals die perfekte Sicherheit geben, aber es existieren Möglichkeiten und Technologien, die es Angreifern extrem schwer machen, ihr Ziel zu erreichen.

Der zweite Gedanke ist für mich aber der spannendere, da er bei weitem von den Medien nicht so stark thematisiert wird wie der erste: Viele Menschen schützen mittlerweile ihre Geräte, indem sie eine Antimalware-Software einsetzen und ihre Programme auf allen Geräten stets auf dem aktuellsten Stand halten. Das ist schon einmal ein guter Anfang, doch ist es genug?

Wie verantwortungsvoll gehen wir selbst mit unseren eigenen sensiblen Daten um?

Diese Frage ist schon allein deswegen so spannend, weil für jeden Menschen die Grenze zwischen privaten und öffentlichen Daten woanders liegt. Während der eine seinen Namen nicht einmal in Telefonverzeichnissen eintragen lässt, stellen andere in sozialen Netzwerken ihr ganzes Leben zur Schau. Und die meisten Menschen denken beim Schutz der eigenen Daten nur an die Daten, die irgendwo gespeichert sind. Aber wie leicht geben wir sensible Daten unbedacht preis?

Dazu habe ich vor einigen Tagen eine interessante Beobachtung gemacht. Ich war mit dem Flugzeug unterwegs und hatte zweimal das zweifelhafte Vergnügen eines Mittelplatzes. Der Mittelplatz hat den großen Nachteil, dass man eingequetscht zwischen zwei anderen Reisenden sitzt, aber er hat auch den, manchmal recht unterhaltsamen, Vorteil, dass man ohne große Mühe sehen kann, was die Reisenden, die links und rechts in der Reihe davor sitzen, lesen. Meistens sind es die einschlägig bekannten Zeitschriften und Zeitungen, also eine vollkommen harmlose Lektüre. Aber auf dem Hinflug meiner Reise saß links vor mir jemand, der während des Fluges mit seinem Notebook seine E-Mails bearbeitete. Normalerweise eine unglaublich langweilige Aktivität für Außenstehende, wenn mir nicht bei einer E-Mail ein paar Stichwörter ins Auge gesprungen wären. Diese zwangen mich geradezu, einen Moment lang meinen Blick auf dieser E-Mail ruhen zu lassen. Und was soll ich sagen, ich weiß jetzt, wer diese Person ist, für welche Firma sie arbeitet, welche Position sie dort hat, dass sie im Auftrag dieser Firma ein großes deutsches Unternehmen berät, wer ihre Kontaktpersonen bei diesem Unternehmen sind, dass sie an einem, noch geheimen, Projekt mit diesem deutschen Unternehmen arbeitet und worum es bei diesem Projekt geht. Eine Menge Informationen, die ich in den maximal 30 Sekunden bekommen habe. Gut, dass ich kein Interesse daran habe, derartige Informationen weiterzuverwenden und einen Großteil dieser Informationen am nächsten Tag sowieso wieder vergessen hatte.

Auf dem Rückflug wurde es dann aber noch abstruser. Rechts vor mir saß eine Person, die ihre Kontostände der letzten Monate überprüfte. Sie hatte sich die Kontoauszüge als Dateien auf ihr Notebook geladen und während des gesamten Fluges kontrollierte sie die einzelnen Konten und Kontobewegungen. Ohne jede Anstrengung konnte ich nicht nur den Namen der Person sehen, sondern auch die Namen der Banken, Bankleitzahlen, Kontonummern, Kontostände und weitere Überweisungsdetails. Das ist schon geradezu fahrlässig!

Auf der einen Seite bieten sich uns heute unendlich viele Möglichkeiten, auf den unterschiedlichsten Geräten Daten zu veröffentlichen, anzuschauen und zu manipulieren. Auf der anderen Seite existieren unzählige und ausgeklügelte Möglichkeiten, Geräte, Netzwerke und Daten zu schützen. Und mit Sicherheit sind einige Vorwürfe an Firmen und Organisationen, die fahrlässig mit unseren Daten umgehen, vollkommen berechtigt. Aber eine Verantwortung kann uns niemand abnehmen: Den verantwortungsvollen Umgang mit unseren eigenen Daten.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal im Flugzeug streng vertrauliche E-Mails lesen oder Kontoauszüge kontrollieren. Oder vergewissern Sie sich zumindest, dass niemand hinter Ihnen auf dem mittleren Platz sitzt.

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