Das Darknet: eine mysteriöse Online-Welt voller Geheimnisse oder die düstere Schattenseite des Internets, wo Kriminellen keine Grenzen gesetzt sind? Steigen Sie in unser U-Boot und begleiten Sie uns, wenn wir seine Tiefen erkunden, seinem finsteren Ruf nachgehen und noch tiefer tauchen, um alle Ihre Fragen zu beantworten: Was genau ist das Darknet? Wie gelangt man dorthin? Wofür wird es genutzt und ist das Surfen auf Darknet-Seiten gefährlich oder gar illegal? Doch unabhängig davon, ob Sie sich auf die dunkle Seite des Internets begeben oder lieber im sichtbaren Bereich bleiben möchten – schützen Sie sich beim Surfen immer mit einer umfassenden Cyber-Sicherheitslösung wie Avira Free Security.
Was ist das Darknet?
Am einfachsten ist es, sich das Web als einen Eisberg vorzustellen. Viele von uns verbringen den Großteil ihrer Zeit im Internet damit, sich an der Spitze dieses Web-Eisbergs zu tummeln, die ungefähr 5 bis 10 Prozent des gesamten Webs ausmacht. Dieser Bereich wird als Surface Web (Oberflächen-Web), sichtbares Web, offenes oder normales Internet, Clear Web oder Clearnet bezeichnet. Er umfasst alle öffentlich zugänglichen Webseiten, Online-Dienste und -Plattformen, die mit konventionellen Suchmaschinen wie Google auffindbar sind und mit herkömmlichen Browsern wie Chrome oder Firefox aufgerufen werden können.
Unterhalb dieser virtuellen Wasserlinie liegt ein weit größerer, jedoch weniger sichtbarer Bereich: das sogenannte Deep Web, das ca. 90 bis 95 Prozent des gesamten Internets umfasst. Hier befinden sich Inhalte, die zwar über normale Browser erreichbar, jedoch größtenteils nicht öffentlich zugänglich und nicht indexiert sind. Auch wenn viele Nutzer es nicht wissen, halten sie sich auch in diesem Bereich des Internets häufig auf – nämlich immer dann, wenn sie sich auf einer Seite mit ihren Zugangsdaten anmelden und einen passwortgeschützten Bereich betreten.
Das Darknet, auch Dark Web genannt, ist wiederum ein winziger Teil des Deep Webs und macht nur etwa 0,01 Prozent des Internets aus. Dort befinden sich anonym gehostete Webseiten, die nur innerhalb spezieller Overlay-Netzwerke mit der entsprechenden Software erreichbar sind. Sie können weder mit regulären Browsern aufgerufen noch mit herkömmlichen Suchmaschinen gefunden werden.
Was ist der Unterschied zwischen dem Deep Web und dem Dark Web?
Steuern wir unser U-Boot nun etwas tiefer und werfen einen genaueren Blick auf das Deep Web, auch Hidden (verstecktes) oder Invisible (nicht sichtbares) Web genannt. Hier befinden sich überwiegend Webseiten und Seitenbereiche, die weder indexiert noch öffentlich zugänglich sind, da sie durch Anmeldeseiten oder andere Zugangsbeschränkungen geschützt sind. Dazu gehören beispielsweise Datenbanken und Archive, Intranets von Unternehmen, Cloud-Speicher, E-Mail-Konten, Online-Banking-Bereiche sowie private Profile und Gruppen in sozialen Netzwerken. Auch kostenpflichtige Dienste von Nachrichtenportalen und Streaming-Anbietern sind hier zu finden.
Das Deep Web umfasst zudem Inhalte, die öffentlich zugänglich, aber nicht indexiert sind, weil sie dynamisch generiert werden und keine festen URLs haben. Diese Inhalte sind nur über Formulareingaben oder Suchmasken aufrufbar, wie zum Beispiel Suchergebnisse von Flugsuchmaschinen, Bibliothekskatalogen und Preisvergleichsportalen.
Wenn wir noch tiefer tauchen, gelangen wir in den isolierten Bereich des Deep Webs, der als Darknet bekannt ist. In diesen sagenumwobenen Tiefen des Internets sehen wir eine verborgene Welt, die Schwärme unterschiedlicher Besuchergruppen anzieht. Dazu gehören sowohl Menschen, die beispielsweise Schutz vor politischer Überwachung suchen, als auch Kriminelle, die sich in der Anonymität des Darknets tummeln, um illegalen Geschäften nachzugehen. Denn der Hauptvorteil des Darknets besteht in dem hohen Maß an Privatsphäre, das die Besucher dort genießen.
Das größte und bekannteste Darknet-Netzwerk ist das Tor-Netzwerk. Es besteht aus Tausenden von freiwillig betriebenen Tor-Knoten und nutzt das Prinzip des Onion-Routing – daher auch der ursprüngliche Name „TOR – The Onion Router“ („Zwiebel-Router“). Mit dem dazugehörigen Tor-Browser können Nutzer auf dieses Netzwerk zugreifen und dort weitgehend geschützt und anonym surfen. Denn dabei wird der Datenverkehr in mehreren verschlüsselten Schichten – ähnlich den Schalen einer Zwiebel – über mehrere Tor-Relays weitergeleitet. Jeder dieser Knotenpunkte kennt dabei nur den vorherigen und den nächsten Knoten, sodass die IP-Adresse verborgen bleibt und der Weg durchs Netz nicht nachvollzogen werden kann.
Tipp: Wenn Sie Ihren Datenverkehr bei der Online-Übertragung auch im normalen Internet verschlüsseln und Ihre IP-Adresse beim Surfen verbergen möchten, können Sie ein VPN wie Avira Phantom VPN nutzen, das in der kostenlosen Cyber-Schutzlösung Avira Free Security enthalten ist.
Neben dem Tor-Netzwerk gibt es mit I2P und Hyphanet (ehemals Freenet) noch zwei weitere, allerdings deutlich weniger verbreitete Darknet-Netzwerke.
Bei I2P (Invisible Internet Project) handelt es sich um ein Netzwerk ohne zentrale Serverstruktur, das eine Kombination aus Peer-to-Peer- (P2P-) und Garlic-Routing-Technologien nutzt, um die Anonymität der Nutzer und die Sicherheit der Datenübertragung zu gewährleisten. Garlic-Routing („Knoblauch-Routing“) ist eine Variante des Onion-Routings, bei der mehrere Nachrichten bzw. Datenpakete zu „Knoblauchzehen“ gebündelt und mehrfach verschlüsselt über mehrere Zwischenstationen weitergeleitet werden.
Hyphanet ist ebenfalls ein anonymes Peer-to-Peer-Netzwerk, das ohne zentrale Server funktioniert. Jeder Computer im Netzwerk wird zu einem Knotenpunkt, der Anfragen und Daten von anderen annimmt, weiterleitet und – anders als bei I2P – dauerhaft verschlüsselt speichert. Der Datenaustausch erfolgt im Hyphanet über ein mehrstufiges Routingverfahren, das ein eigenes Verschlüsselungskonzept nutzt.
Während Hyphanet primär auf die zensurresistente, sichere Speicherung und Verteilung von Inhalten (Content-Sharing) ausgelegt ist, liegt der Fokus bei I2P neben Filesharing auf anonymer Kommunikation sowie einer breiteren Palette von Diensten, Anwendungen und Webseiten (den sogenannten „Eepsites“).
Der Zugang zu diesen Netzwerken ist allerdings technisch anspruchsvoller als bei Tor, da zusätzliche Software eingerichtet und konfiguriert werden muss – was zu Fehlern führen und so die Anonymität oder Sicherheit beeinträchtigen kann. Daher konzentrieren wir uns im Folgenden nur auf das Tor-Netzwerk.
Wie sieht das Darknet aus und wie kann man dort surfen?
Darknet-Webseiten im Tor-Netzwerk sehen den Webseiten des Surface Web im Grunde sehr ähnlich, sind jedoch minimalistischer und funktionaler gestaltet. Man erkennt sie daran, dass die URLs nicht wie im Clearnet auf „.com” oder einem Länderkürzel, sondern auf „.onion” enden.
Darknet-Websites nutzen kryptografisch generierte Adressen, die aus langen Zeichenfolgen bestehen und deshalb schlecht zu merken sind. Beispielsweise lautete die URL der beliebten Darknet-Plattform AlphaBay Market „alphabaytenkotdfclp4zefetrodusi3neklmeepbxkev57owvsqo7qd.onion“ – also nicht besonders einprägsam. Oft lohnt es sich jedoch auch gar nicht, sich diese URLs zu merken, da Kriminelle die Adresse ihrer Darknet-Sites hin und wieder ändern, um nicht entdeckt zu werden. Oder sie werden wegen ihrer illegalen Aktivitäten von den Behörden geschlossen. Daher kommt es häufig vor, dass Darknet-Plattformen plötzlich verschwinden – und kurz darauf unter einer anderen Adresse wieder auftauchen.
Doch wie findet man bestimmte Seiten im Darknet, wenn man die aktuelle URL nicht kennt? Dafür gibt es spezielle Link-Verzeichnisse, Wikis und Darknet-Suchmaschinen. Da Darknet-Seiten oft kurzlebig oder absichtlich schwer auffindbar sind und ihre Adressen regelmäßig wechseln, funktionieren diese Suchmaschinen jedoch nicht so zuverlässig wie im Clearnet. Zudem kommt es häufig vor, dass Darknet-Seiten zeitweise offline und somit nicht erreichbar sind. Einige wenige Anbieter zeigen zwar den aktuellen Status von Webseiten an, was jedoch auch nicht besonders verlässlich ist.
Was sind Onion-Dienste?
Die Darknet-Seiten, die nur über das Tor-Netzwerk zugänglich sind, werden Onion-Dienste (ehemals Hidden Services bzw. Versteckte Dienste) genannt. Sowohl Nutzer als auch Betreiber bleiben anonym, da die Kommunikation vollständig innerhalb des Tor-Netzwerks erfolgt. Durch die mehrfache Verschlüsselung und das mehrstufige Onion-Routing werden weder die IP-Adressen noch der Verbindungsweg offengelegt. So bleiben alle Parteien weitestgehend vor Zensur und Überwachung geschützt, auch wenn natürlich kein absoluter Schutz besteht und Strafverfolgungsbehörden und autoritäre Regime über Techniken und Methoden verfügen, um Personen gegebenenfalls zu identifizieren.
Webseitenbetreiber können ihren Dienst als Onion-Dienst im Darknet und gleichzeitig auch im normalen Internet anbieten. Facebook zum Beispiel ist sowohl im Clearnet als auch im Darknet präsent. So können Nutzer, die großen Wert auf Anonymität, Privatsphäre und Datenschutz legen oder in deren Land bestimmte Plattform gesperrt sind, die entsprechenden Inhalte auch über das Tor-Netzwerk aufrufen.
Wie kommt man ins Darknet?
Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich schon mal gefragt haben „Woran kann ich eigentlich erkennen, ob ich mich im Darknet befinde?” Keine Sorge – dort landet man nicht einfach zufällig oder aus Versehen. Denn um ins Darknet bzw. Tor-Netzwerk zu gelangen, brauchen Sie eine spezielle Software wie den bereits erwähnten Tor-Browser, der eigens für das Darknet entwickelt wurde.
Um Zugang zum Darknet zu erhalten, gehen Sie folgendermaßen vor:
- Laden Sie den Tor-Browser für Mac, Windows, Linux oder Android herunter und folgen Sie den Installationsanweisungen. iPhone-Nutzer können die Onion Browser App installieren, um Zugriff auf das Tor-Netzwerk zu erhalten.
- Starten Sie den Tor-Browser und klicken Sie auf „Verbinden“.
- Surfen Sie nach erfolgreicher Verbindung im Tor-Netzwerk.
- Um die Darknet-Verbindung wieder zu trennen, beenden Sie den Browser. Wenn Sie nur das Browserfenster schließen, bleibt die Verbindung eventuell im Hintergrund aktiv.

Mit dem Tor-Browser können Sie übrigens nicht nur Onion-Dienste aufrufen, sondern auch im normalen Internet anonym und sicher surfen – wenn auch mit einigen Geschwindigkeitseinbußen, da die Daten über mehrere Knoten geleitet und dabei mehrfach verschlüsselt werden. Zudem blockieren einige Webseiten aus Sicherheitsgründen den Zugriff über Tor. Sie können zum Surfen im Clearnet die voreingestellte Suchmaschine DuckDuckGo nutzen – für die Suche im Darknet müssen Sie allerdings auf spezielle Suchmaschinen zurückgreifen.
Wer Darknet-Seiten über einen normalen Browser aufrufen möchte, kann auch einen Tor2Web-Service verwenden. Diese Dienste stellen Proxy-Server bereit, die Anfragen aus dem Clearnet annehmen, sie ins Tor-Netzwerk weiterleiten, die Onion-Seite abrufen und den Inhalt zurück an den Nutzer übertragen. Allerdings raten wir davon ab, da auf diesem Weg alle Schutzmechanismen von Tor entfallen.
Das gleiche gilt für Browsererweiterungen von Drittanbietern, die einen einfachen Zugang zum Tor-Netzwerk versprechen. Sie bieten keinen vollwertigen und sicheren Tor-Zugriff, gewährleisten meist weder Anonymität noch den Schutz der Privatsphäre und stellen teilweise ein Sicherheitsrisiko dar.
Einige VPN-Dienste bieten eine spezielle „Tor over VPN“- oder „Onion over VPN“-Funktion, mit der man ebenfalls ohne Tor-Browser ins Tor-Netzwerk gelangen kann. Der Datenverkehr wird in diesem Fall nach Aufbau der VPN-Verbindung automatisch über einen Tor-Server in das Netzwerk weitergeleitet. Allerdings müssen auch hier Einbußen in puncto Anonymität, Geschwindigkeit und Funktionalität in Kauf genommen werden.
Tipp: Falls Sie ein VPN verwenden und nicht auf die Schutzfunktionen und anderen Vorteile des Tor-Browsers verzichten möchten, können Sie mit Avira Phantom VPN beides kombinieren. Verbinden Sie sich dafür zunächst mit dem VPN und starten Sie anschließend den Tor-Browser. So fügen Sie eine weitere Sicherheitsebene hinzu und können Ihren Zugriff aufs Darknet vor Ihrem Internetanbieter verbergen. Denn Ihre echte IP-Adresse wird vom VPN-Server ersetzt, sodass der erste Tor-Knoten (Entry Node) nur die IP-Adresse des VPN-Servers sieht.
Wofür wird das Darknet genutzt?
Entgegen seines schlechten Rufs wird das Darknet nicht nur von Kriminellen genutzt. Viele Journalisten, Aktivisten, Dissidenten und Oppositionelle verwenden das Darknet, um ihre Identität zu schützen. Gerade in Ländern mit starker Internetzensur und Überwachung bietet das Darknet eine wichtige Möglichkeit, sicher und anonym zu kommunizieren, Daten auszutauschen und auf Informationen zuzugreifen.
Doch auch „normale“ Nutzer, die sich vor Tracking durch Webseiten (inklusive Browser-Fingerprinting) und anderen Datensammlern schützen und anonym und sicher surfen möchten, verwenden den Tor-Browser. Denn er anonymisiert nicht nur die Verbindung und verschlüsselt den Datenverkehr, sondern blockiert auch standardmäßig viele Tracking-Techniken und löscht beim Beenden des Browsers alle temporären Nutzerdaten, wie den Verlauf, Cookies und Website-Daten.
An seiner tiefsten Stelle verdient sich das Darknet seinen Ruf als digitaler Schwarzmarkt für alle nur denkbaren verbotenen Waren und Services allerdings völlig zu Recht. Zudem wird es auch von terroristischen und extremistischen Gruppen genutzt, um sich anonym zu vernetzen, Propaganda zu verbreiten, Anleitungen zu teilen oder illegale Aktivitäten zu koordinieren.
Auch Hacktivisten nutzen das Darknet, um sich dort auszutauschen, geleakte Daten zu veröffentlichen, Aktionen zu planen und durch gezielte Cyberangriffe auf politische oder gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.
Im Darknet gibt es unter anderem folgende Plattformen und Dienste:
- Darknet-Märkte und -Shops: Online-Marktplätze und spezialisierte Online-Shops für illegale Waren und Dienstleistungen
- Foren, Chat-Rooms & soziale Netzwerke: Kommunikationsplattformen für den Austausch zu verschiedensten Themen
- Kommunikations- und Anonymisierungsdienste: Tools und Dienste für sichere und anonyme Kommunikation und Datenübertragung
- Whistleblowing-Plattformen: Dienste zur anonymen Übermittlung von vertraulichen Informationen und Dokumenten an Medien oder Organisationen
- Leak-Portale: Plattformen zur Veröffentlichung sensibler Dokumente und Daten
- File-Sharing- und Cloudspeicher-Dienste: Plattformen und Tools zum Hosting und Austausch sowie zur Speicherung digitaler Inhalte
- Finanz- und Kryptowährungsdienste: Bitcoin-Mixer, Wallet-Dienste, Escrow-Services und andere Finanzdienste
- Website-Hosting-Dienste: Bereitstellung und Verwaltung von Webseiten im Tor-Netzwerk
- Pornografie-Plattformen: Illegale und legale pornografische Inhalte
- Nachrichtenportale und Blogs: Allgemeine und Tor-bezogene News sowie Infos rund ums Darknet und andere (meist technische) Themen
- Schattenbibliotheken, Streaming- und Gaming-Plattformen: Urheberrechtlich geschützte Bücher, Filme, Serien, Musik und Spiele
- Onion-Versionen von Clearnet-Seiten: BBC News, ProPublica, Proton Mail, Reddit, Facebook, Twitter u.v.m.
Auf Tor Metrics können Sie viele interessante Daten rund um die Nutzung des Tor-Netzwerks einsehen, wie zum Beispiel, aus welchen Ländern die meisten Nutzer kommen.
Was ist ein Darknet-Markt?
Darknet-Märkte, auch Kryptomärkte genannt, sind Handelsplattformen im Darknet, die wie „normale“ Online-Marktplätze funktionieren. Wie ihre seriöseren Verwandten eBay und Amazon im Surface Web verfügen Darknet-Marktplätze meist über Nutzerbewertungssysteme, Kundenkonten und Bezahlfunktionen. Häufig handelt es sich bei Darknet-Märkten um Schwarzmärkte, auf denen illegale Waren und Dienstleistungen aller Art angeboten werden, wobei in der Regel Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen.
Diese anonymisierte Art der Transaktion ist auch der Schlüssel zum großen Erfolg der Darket-Marktplätze, da die Identität von Käufern und Verkäufern verborgen bleibt. Die Zahlungen erfolgen häufig über sogenannte Escrow-Dienste – Treuhandsysteme, bei denen der Plattformbetreiber das Geld bis zur Bestätigung des Warenerhalts verwahrt. Sie sollen Vertrauen schaffen und Betrug erschweren, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz. Der physische Versand bleibt oft der einzige angreifbare Punkt in der ansonsten rein digitalen Kette – und damit ein wichtiges Einfallstor für Ermittlungsbehörden.
Darknet-Marktplätze sind oft kurzlebig, da Behörden weltweit versuchen, sie schnell zu schließen und die Betreiber wegen illegaler Aktivitäten strafrechtlich zu verfolgen. So erging es auch dem ersten großen Darknet-Marktplatz, der berühmt-berüchtigten Silk Road. 2011 gegründet, wurde dieser Marktplatz dreist als „Amazon für Drogen“ beworben und von Kriminellen nicht nur zum Drogenhandel, sondern auch zur Geldwäsche genutzt. Zwei Jahre nach der Gründung wurde Silk Road vom FBI abgeschaltet und sein Gründer Ross Ulbricht zu lebenslanger Haft verurteilt. Dem Nachfolger Silk Road 2.0 ereilte das gleiche Schicksal und auch andere bekannte Darknet-Märkte wie AlphaBay, Wall Street Market und Hansa Market wurden wenige Jahre nach ihrer Gründung von den Behörden zerschlagen und abgeschaltet.
Was kann man im Darknet kaufen?
Kurz: Fast alles, was man sich vorstellen kann, in einigen Fällen aber gar nicht möchte. Von Drogen und verschreibungspflichtigen Medikamenten über gefälschte Dokumente wie Pässe und Führerscheine bis hin zu Waffen und Sprengstoff – im Darknet lässt sich trotz seiner verhältnismäßig geringen Größe nahezu alles kaufen, was das kriminelle Herz begehrt.
Auch illegale digitale Waren und Dienstleistungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Dazu gehören beispielsweise:
- Gestohlene Daten wie Kreditkartendaten und Zugangsdaten (für PayPal- und Bankkonten, Krypto-Wallets, E-Mail-Konten, Cloudspeicher- und Streamingdienste, Online-Shops etc.), Admin-Logins (für Server und Datenbanken), Gift Card-Codes, komplette Kundendatenbanken und vollständige personenbezogene Datensätze (sogenannte „Fullz“)
- Malware & Hacking-Tools wie Keylogger und andere Spyware, Remote-Access-Trojaner (RATs), Exploit-Kits, Passwort-Cracking-Tools, Botnet-Infrastrukturen, DDoS-as-a-Service, Ransomware-as-a-Service und Phishing-Kits
- Hacking-Dienste („Hacker for Hire“) wie Entwicklung und Verbreitung von Malware aller Art, Durchführung von Phishing-Attacken, Ransomware– und DDoS-Angriffen, Netzwerk- und Systemhacking, Cyberspionage, Social Engineering-Services und vieles mehr
- Andere digitale Dienstleistungen wie Erstellung von Fake-Profilen, Deepfakes und gefälschten Bewertungen, Geldwäsche mit Kryptowährungen oder Transfersystemen sowie Cyberstalking
- Gestohlene oder unrechtmäßig gehandelte Software-Keys und Lizenzen, zum Beispiel für Unternehmenssoftware
Tipp: Wenn Sie überprüfen möchten, ob Ihre personenbezogenen Daten durch ein Datenleck offengelegt wurden und im Darknet kursieren, können Sie den Avira Identity Assistant nutzen. Das integrierte Dark Web Monitoring§ durchsucht das Darknet und private Foren nach Informationen, die Sie zur Verfügung stellen, wie beispielsweise Ihre E-Mail-Adressen oder Ihre Kreditkartennummern.
Ist das Darknet gefährlich?
Wie so oft lässt sich auch diese Frage mit einem „Jein“ beantworten. Denn es kommt darauf an, wie Sie das Darknet nutzen und auf welchen Darknet-Seiten Sie sich bewegen. Das Darknet an sich ist nicht gefährlich. Es bietet Anonymität und Privatsphäre, birgt jedoch auch erhebliche Risiken, da viele Bereiche weder reguliert noch moderiert werden. Wer sich dort unvorsichtig bewegt, kann schnell auf illegale, schädliche oder verstörende Inhalte stoßen.
Aufgrund der fehlenden Überwachung und Kontrolle tummeln sich im Darknet zudem noch mehr Betrüger als im normalen Internet. Für Besucher des Darknets gilt also stets: Betreten auf eigene Gefahr! Das Darknet bleibt eine Brutstätte krimineller und gesetzeswidriger Aktivitäten und Inhalte, und die Nutzung und der Zugriff darauf können gefährlich und/oder illegal sein.
Bedrohungen im Darknet
- Verstörende und illegale Inhalte wie Kinderpornografie, extreme Gewaltdarstellungen oder Tierquälerei
- Betrug durch Fake-Shops und Krypto-Scams
- Phishing und Identitätsdiebstahl durch gefälschte Log-in-Seiten, die beliebte Onion-Dienste nachahmen
- Malware-Infektionen durch kontaminierte Seiten und infizierte Downloads oder Werbeanzeigen
- Unsichere Onion-Dienste durch fehlende TLS-/SSL-Zertifikate
- Überwachung & Strafverfolgung durch Behörden, auch in westlichen Ländern
- Phishing und Identitätsdiebstahl durch gefälschte Log-in-Seiten, die beliebte Onion-Dienste nachahmen
- Falschinformationen, Verschwörungstheorien, extremistische Inhalte und radikale Ideologien
Wie kann man sich im Darknet schützen?
- Nutzen Sie nur den offiziellen Tor-Browser, um ins Darknet zu gelangen, aktualisieren Sie ihn regelmäßig und fügen Sie keine Erweiterungen hinzu.
- Sehen Sie von Käufen im Darknet ab. Hier gibt es meist keinen Kundenservice, keinen Käuferschutz und keine Rückerstattung.
- Rufen Sie nur seriöse und verifizierte Onion-Dienste wie Proton Mail, ProPublica oder OnionShare auf.
- Besuchen Sie Webseiten nur im HTTPS-Modus, der die Verwendung der HTTPS-Verschlüsselung erzwingt. Achten Sie auch auf die verschiedenen Onion-Symbole in der Adressleiste.
- Aktivieren Sie in den Einstellungen des Tor-Browsers die höchste Sicherheitsstufe und den Schutz vor betrügerischen Inhalten und gefährlicher Software.
- Geben Sie keine persönlichen Daten oder Ihren echten Namen preis und nutzen Sie auf Darknet-Webseiten keine bestehenden Konten.
- Verwenden Sie eine Darknet-Suchmaschine wie Ahmia, die illegale Inhalte wie Kinderpornografie und Missbrauchsmaterial herausfiltert, oder VormWeb, die die Suchergebnisse in drei Sicherheitskategorien einstuft. Doch auch hier gibt es keine Garantie.
- Klicken Sie nicht unbedacht auf Links oder Banner und laden Sie keine Dateien oder Software herunter. Tor schützt zwar Ihre Privatsphäre, jedoch nicht vor Malware. Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Gerät über einen leistungsstarken Virenschutz wie Avira Free Security verfügt und aktivieren Sie ihn – nicht nur beim Surfen im Darknet.
Ist das Darknet illegal?
In den meisten westlichen Demokratien ist es prinzipiell weder verboten noch strafbar, das Darknet zu besuchen und Darknet-Websites aufzurufen. Allerdings dürfen Sie dort natürlich keine rechtswidrigen Aktivitäten durchführen, also keine illegalen Waren oder Dienstleistungen anbieten oder erwerben. Auch das Konsumieren und Herunterladen illegaler Inhalte ist selbstverständlich verboten.
In einigen Fällen reicht allerdings schon der bloße Aufruf einer Darknet-Seite, um sich strafbar zu machen. Das betrifft vor allem Darknet-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten, Anleitungen zu schweren Straftaten (z. B. Bombenbau), terroristischer Propaganda oder extremen Gewaltdarstellungen. In Deutschland etwa kann schon das automatische Laden solcher Inhalte – selbst ohne aktiven Download – strafrechtliche Folgen haben.
Daher gilt: Im Darknet sollte man nur gezielt bekannte und seriöse Seiten aufrufen und keine Link-Listen durchklicken. Wer sicher unterwegs sein möchte, sollte sich an legale Angebote halten – oder lieber gleich im Clearnet bleiben.
In autoritären Staaten wie China, Russland oder dem Iran hingegen wird der Zugang zum Darknet – insbesondere zum Tor-Netzwerk – sowohl technisch blockiert als auch gesetzlich eingeschränkt und bei Missachtung strafrechtlich verfolgt. In diesen Ländern setzen die Regierungen auf eine Kombination aus Zensur, Überwachung, Repressionen und Strafverfolgung, um den Zugriff aufs Darknet zu verhindern. Schon der reine Versuch, sich anonym und frei zu informieren oder der Besitz einer Software wie dem Tor-Browser kann in einigen Ländern als krimineller oder gar staatsfeindlicher Akt gewertet werden – vor allem, wenn er mit regimekritischen Aktivitäten in Verbindung steht.
Die Geschichte des Darknets
Kehren wir zum Abschluss noch einmal zurück zu den Anfängen und werfen beim Auftauchen unseres U-Bootes einen Blick auf die Entstehung des Darknets. Bereits in den 1970er Jahren wurde das ARPANET, ein Vorläufer des heutigen Internets, von Studenten der Stanford University und des Massachusetts Institute of Technology genutzt, um den Verkauf von Cannabis zu organisieren. Allerdings handelte es sich eher um Absprachen und keine eigentlichen Transaktionen.
Die Geschichte des modernen Darknets begann Mitte der 1990er-Jahre, als das US Naval Research Laboratory die Onion-Routing-Technologie und somit die Grundlage für das Tor-Netzwerk entwickelte. Ursprünglich als sicheres Kommunikationsmittel für militärische und geheimdienstliche Zwecke konzipiert, wurde es 2002 öffentlich zugänglich gemacht und anschließend auch vermehrt für zivile Zwecke genutzt – zum Beispiel von NGOs, Aktivisten, Journalisten und Tech-Enthusiasten.
Nach der Veröffentlichung wurde Tor kontinuierlich weiterentwickelt und 2006 mit dem Tor-Projekt eine gemeinnützige Organisation gegründet, um die Verbreitung zu fördern – mit der Mission, durch kostenlose Software und offene Netzwerke Menschenrechte zu stärken, die Privatsphäre im Internet zu schützen und Surfen ohne Verfolgung, Überwachung oder Zensur zu ermöglichen.
Als Ort für illegale Märkte gewann das Darknet erst mit der Einführung von Bitcoin im Jahr 2009 an Bedeutung. 2011 entstand mit der Silk Road der erste große Darknet-Marktplatz, dem viele weitere folgten – und die das schlechte Image des Darknets bis heute prägen.
- Dark Web Monitoring ist nur für Kunden in Deutschland verfügbar. Dabei wird standardmäßig und sofort nach Aktivierung Ihre E-Mail-Adresse überwacht. Melden Sie sich mit Ihrem Konto an, um weitere Informationen einzugeben, die überwacht werden sollen.
Tor, Tor-Browser und Onion sind eingetragene Marken des Tor Project, Inc.
Google ist eine eingetragene Marke der Google LLC.
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