China installiert Spy-App auf Smartphones von Touristen

Das China voll auf Technik setzt, um die Bevölkerung und ihr Staatsgebiet zu überwachen, ist nichts Neues. Das „Social Credit“-System etwa speist sich aus digitalen Informationen und gibt jedem Bürger einen „Score“, der sich aus seinem Verhalten gegenüber der Regierung offline und online zusammensetzt.

Wie die New York Times jetzt berichtet, wird mittlerweile allerdings auch Einreisende beim Grenzübertritt eine Spionage-App auf das Smartphone übertragen, die das Gerät auf unliebsame Inhalte überprüft.

Momentan nur die westlichste Provinz Xinjiang betroffen

Momentan scheint sich diese Praxis auf die westliche Provinz Xinjiang zu beschränken, in der eine  muslimische Minderheit lebt. Sie betrifft Touristen, Händler und andere Menschen, die über die Festland-Grenze einreisen.

Laut Aussagen der chinesischen Regierung sammelt die App persönliche Daten vom Smartphone, wie etwa Textnachrichten und Kontakte. Außerdem werden Dokumente, Bilder, Videos und Audiodateien gescannt und mit einer Liste von 73.000 Artikeln verglichen, die ebenfalls im Code der App gespeichert ist.

Überwachung dient offiziell zur Terrorabwehr

Offiziell wird das gemacht, um Mitglieder von Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat (IS) an der Einreise zu hindern. Deshalb werden nach vielen Inhalten gesucht, die bekannterweise in Verbindung stehen können.

Beobachtungen zufolge geht die App aber weit über dieses Ziel hinaus. Es genügen auch Fotos vom Dalai Lama oder Bücher über den syrischen Bürgerkrieg, um von den Grenzern geflaggt zu werden.

Daneben findet sich auch der Song „Cause and Effect“ der recht obskuren japanischen Grindcore-Band Unholy Grave auf der Liste. Ebenso das Buch „The 33 Strategies of War“ (dt. „33 Gesetze der Strategie“) von Robert Greene – im Wesentlichen ein Selbstoptimierungs-Buch, das völlig unpolitisch ist.

Fengcai-App prüft Android-Geräte

Technisch gesehen wird bei Android-Smartphones und Notebooks eine App namens Fengcai (Bienen die Pollen sammeln) installiert. Auch die Süddeutsche Zeitung und der NDR konnten die App schon untersuchen.

Die Ruhruniversität in Bochum konnte auch den Quellcode von Fengcai untersuchen. Demnach ist die App simpel gestrickt und lässt sich leicht bedienen. Die Liste mit den 73.000 Dateien beinhaltet zudem keine Namen, sondern lediglich die jeweilige Dateigröße und einen Signatur-Code – damit lassen sich Dateien auch entdecken, wenn der Dateiname geändert wird.

iPhones müssen den Grenzern übergeben werden

iPhones müssen dagegen vom Besitzer geöffnet und übergeben werden. Danach werden sie per USB-Kabel mit einem Handgerät verbunden. Was dieses Gerät genau macht, konnte ein Journalist nicht erkennen, der den Vorgang beobachtet hat.

Für China dürfte der Einsatz der App so oder so ein Erfolg sein. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Praxis auch auf andere Regionen Chinas ausweiten wird.