Alexa & Co: Smarte Wanzen unterm Weihnachtsbaum

Smarte Assistenten wie Amazon Echo und Google Home werden immer beliebter. Doch wie bei vielen Smart-Home-Produkten gibt es Risiken. Vor allem das Thema Datenschutz verdrängen viele Käufer.

Die smarten Lautsprecher Amazon Echo und Google Home avancieren zu DEN Weihnachtshits 2018. Fast jeder möchte so einen smarten Lautsprecher unterm Baum haben: Kinder, Papa, Oma und Opa. Die Dinger sind schließlich auch so unfassbar praktisch: Einfach nach wichtigen Dingen wie Wetter, Verkehr oder Börsenkursen fragen und schon ertönt die passende Antwort. An die Schattenseite der „intelligenten“ Büchsen denkt dabei fast niemand. Dabei muss jeder, der sich so einen persönlichen Assistenten in die Wohnung stellt, mit massiven Eingriffen in die Privatsphäre rechnen. Es handelt sich um nichts anderes als moderne Wanzen mit Internet-Anbindung. Echo und Home lauschen permanent mit und warten auf ihren Einsatz. Nur wenn das Aktivierungswort fällt, schicken sie die Anfrage an spezielle Server in den USA. Fällt es nicht, wandern die letzten Sekunden in den digitalen Papierkorb – versprechen zumindest die Hersteller.

Praktisch, aber nicht ungefährlich. Smarte Lautsprecher wie Amazons Alexa.

Wer vertraut US-Geheimdiensten?

Aber darf man denen trauen? Wer kontrolliert sie? Fragen Sie sich selbst: Würden Sie Ihre Hand dafür ins Feuer legen, das in Zeiten hysterischer Geheimdienste Daten in den Händen US-amerikanischer Firmen hundertprozentig sicher sind? Wahrscheinlich nicht. Selbst die US-Polizei ist scharf auf solche Daten und baut in einem Mordfall auf eine ganz spezielle Zeugin: Die Sprachassistentin Alexa, die sich in einem Amazon Echo-Netzwerklautsprecher zur Tatzeit im gleichen Raum befand. Die entsprechenden Sprachaufzeichnung liegen in der Cloud und die Polizei verlangt, das Amazon diese herausrückt. Denn: Amazon speichert Sprachaufzeichnungen aus dem Echo auf seinen Servern, um seine Dienste zu verbessern.

Bei Nichtgebrauch sollte man das Mikrophon besser abschalten.

Tickende Zeitbomben

Nun könnte man argumentieren, man habe nichts zu verbergen und schließlich würden nur böse Buben auf diese Weise belangt. Wer auf diese Weise Datenschutz-Bedenken abwiegelt, müsste aber auch damit leben können, dass einen Geheimdienste wie die NSA den ganzen Tag belauschen – abhängig vom Standort des Assistenten also nicht nur in Wohnzimmer und Küche, sondern auch im Schlafzimmer und auf dem Klo. Technisch ist das problemlos möglich. Im Falle von Alexa können das sogar Familienmitglieder: Mit der „Drop In“-Funktion ist es mühelos und ganz offiziell denkbar, sich direkt mit einem Echo zu verbinden und alles innerhalb der Reichweite des Geräts abzuhören. Das bedeutet nicht nicht nur einen Eingriff in die Privatsphäre anderer Familienmitglieder, sondern eine sprichwörtliche Zeitbombe: Gelingt es den ersten Hackern, sich in die Systeme zu hacken, könnten diese nicht nur persönliche Daten abgreifen, sondern auch im Privatleben der Besitzer herumschnüffeln. Gerade erst ist es einer Gruppe chinesischer Hacker gelungen, Amazon Echo-Geräte der zweiten Generation zu kapern und Audioaufnahmen zum Angreifer zu übertragen. Zum Glück teilten sie ihre Erkenntnisse umgehend mit Amazon und nutzten Sie nicht für Angriffe. Trotzdem bleibt die Frage: Ist es das Risiko tatsächlich wert, nur um bequemer Musik und Licht steuern zu können?

Das fehlende Puzzlestück

Abgesehen davon gibt es natürlich gute Gründe, warum Amazon und Google die Produkte ihrer Assistenten preislich so attraktiv gestalten und damit massenhaft Käufer ködern. Nach nunmehr zwei Dekaden sammeln die Internetgiganten tonnenweise Daten, um ihre Server mit Informationen rund um persönliche Interessen, Meinungen, Bewegungen, Lebensumstände und mehr zu befüllen. Dank smarter Geräte schließen sich die Wissenslücken immer mehr.  Smart-Home-Lösungen wie IP-Kameras, Thermostate oder Lichtsteuerungen waren nur die Vorboten einer neuen Geräteklasse, die unmittelbar in unserem Privatleben nach persönlichen Daten fischt. Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home sind nun der nächste Evolutionsschritt. Da diese die Benutzung moderner Technik immer mehr vereinfachen, muss niemand mehr ein Technik-Experte sein. Genau an dieser Stelle entsteht die Gefahr. Denn die Meisten wissen nicht, was alles im Hintergrund vor sich geht und wie die Dinge miteinander verknüpft sind.