Achtung: So stehlen Ihnen Internetseiten neuerdings Rechenkraft

In der Regel haben Cybergangster Ihr Geld oder Ihre Daten im Visier, jetzt haben sie ein neues Ziel: Die Rechenleistung fremder PCs. Millionen Internet-Nutzer sind betroffen. Ist Ihr Computer auch dabei?

Die Zinsen sind mau, die Aktienmärkte stagnieren. Richtig dicke Gewinne strichen in den vergangenen Monaten jedoch diejenigen ein, die auf Kryptowährungen setzten – die Kurse explodierten förmlich. Vor allem Bitcoins sind in aller Munde. Lange nur eingefleischten Computerfreaks ein Begriff, rückt die Digitalwährung durch ihren schwindelerregenden Kursanstieg und ihre extremen Preisschwankungen immer mehr ins Rampenlicht. Doch es kommen auch immer mehr Schattenseiten zum Vorschein. So lockt der Goldrausch der digitalen Währung vermehrt Cybergauner an.

Kryptojacking auf dem Vormarsch

Dazu muss man wissen: Bitcoins werden nicht durch Notenbanken herausgegeben, sondern durch so genanntes Mining errechnet. Dazu kommen entweder besonders leistungsstarke Rechner oder gigantische Netzwerke aus zehntausenden PCs zum Einsatz. Der Rechenaufwand ist enorm, die Kosten gigantisch. Sicherheitsexperten beobachten daher in letzter Zeit immer mehr Attacken, die darauf abzielen, Rechenleistung fürs Mining zu stehlen. Zum Beispiel mithilfe von „Coinhive“, einer JavaScript-basierten „Mining“-Software.  Dessen Zweck besteht eigentlich darin, Betreiber von Internetseiten eine Alternative zu Bannerwerbung zur Verfügung zu stellen. Hacker funktionierten diese aber kurzerhand um, tarnten sie als Anzeige und schleusten diese in hunderte Internetseiten ein – schon rollte der Rubel.

Deutsche Flugseiten infiziert

Untersuchung ergaben, dass mehr als die Hälfte der betroffenen Seiten aus den USA stammen. Die Rechenkraftdiebe versteckten sich aber auch auf einigen europäischen sowie auf Internetseiten aus China, Südamerika und dem Iran. In Deutschland waren unter anderem auch bekannte Flugpreissuchmaschinen wie airline-direct.de, flug24.de und billugfluege.de betroffen. Die Gefahr kann aber im Prinzip auf jeder Site lauern, die Anzeigen schaltet. Schon der Besuch einer entsprechend präparierten Internetseite reicht, damit die Erweiterung im unbemerkt Rechenkraft von Ihrem PC abzwackt. Das betrifft Sie und Ihren PC ganz konkret. Denn das heimliche Schürfen belastet den Prozessor, verringert bei mobilen Geräten die Akkuausdauer und schlägt sich auf der Stromrechnung nieder.

Das hilft gegen Kryptojacking

Doch nicht bei Ausflügen ins Internet droht der Diebstahl von Rechenkraft: Sicherheits-Experten entdeckten auf Millionen Computern unbemerkt installierte Mining-Tools für Kryptowährungen. Damit verbinden die Angreifer die betroffenen Computer zu gigantischen Mining-Botnetzen und scheffeln auf diese Weise Hunderttausende US-Dollar pro Monat. Die gute Nachricht: Aktuelle Antivirenprogramme wie Avira Internet Security Suite entdecken solche Schädlinge zuverlässig. Anders sieht es beim Kryptojacking aus. Davor schützten Browser-Erweiterungen wie No Coin, die es für Firefox und Chrome gibt.

Browser-Erweiterungen wie No Coin warnen vor Webseiten, die Ihnen Rechenkraft abzwacken wollen.
Browser-Erweiterungen wie No Coin warnen vor Webseiten, die Ihnen Rechenkraft abzwacken wollen.